Gemischte Stuhltransplantate von verschiedenen Spendern führen eher zum Erfolg

Autor: Kathrin Strobel

Für mehr Diversität im Darm Stuhltransplantate kombinieren. © sakurra – stock.adobe.com

Auf die Mischung kommt es an! Das gilt auch für den fäkalen Mikrobiotatransfer. Denn eine hohe Vielfalt scheint für den Darm wichtiger zu sein als das Vorhandensein bestimmter Bakterienstämme.

Im Darm gesunder Menschen findet sich i.d.R. eine hohe Diversität an Mikroorganismen, während die Vielfalt bei Patienten, die an chronisch entzündlichen Darmerkrankungen leiden, stark verringert ist. Wird diesen Patienten der Stuhl einzelner Spender übertragen, ist es (noch) von Glück und Zufall abhängig, ob die Transplantation zum gewünschten Ergebnis führt, erklärte Professor Dr. Max Reinshagen­ vom Klinikum Braunschweig. In bisherigen Studien, die Transplantate einzelner Spender untersuchten, gab es zum Teil erhebliche Unterschiede in den Remissionsraten.

Um eine möglichst hohe Diversität der Mikrobiota zu erreichen, bietet es sich daher an, den Stuhl verschiedener Spender zu mischen. Diese Mixtur wird bei der ersten Gabe direkt in das Coecum eingebracht, danach per Einlauf verabreicht. In einer Studie an 81 Patienten mit aktiver Colitis ulcerosa erreichten 27 % der so Behandelten eine klinische und endoskopische Remission oder Besserung – im Vergleich zu 8 % in der Placebogruppe. Allerdings waren 40 Einläufe über einen Zeitraum von fünf Wochen notwendig.

Solide Bestandteile des Stuhls sind verzichtbar

Eine weitere Studie – diesmal mit Clostridienkolitis-Patienten – konnte zeigen, dass man auf die soliden Bestandteile des Stuhls bei der Transplantation verzichten kann. Das verwendete Ultrafiltrat induzierte in Kulturschalen kein bakterielles Wachstum mehr und führte bei allen fünf damit behandelten Patienten zu einer kompletten Elimination der Keime für mehr als sechs Monate.

Diesen Ansatz macht sich die FRESCO-Studie zunutze, die für dieses Jahr geplant ist. In ihr sollen Patienten mit aktiver Colitis ulcerosa, die steroidabhängig sind oder nicht auf 5-ASA oder Steroide ansprechen, eine Intensivtherapie mit fäkalen Filtrattransplantaten verschiedener Spender erhalten. Eine weitere Gruppe wird mit konventioneller fäkaler Mikrobiota­transplantation behandelt, die dritte mit Placebo.

Für die Studie haben vier deutsche Universitätsapotheken eine behördliche Herstellungsgenehmigung für die Filtratkapseln erhalten und dürfen diese in Verkehr bringen. Und das ist erst der Anfang, betonte Prof. Reinshagen. Vielleicht werde es in absehbarer Zeit sogar möglich sein, auf der Basis einer genauen Mikrobiomsequenzierung des Patienten individualisierte Probiotika/Präbiotika-Cocktails herzustellen.

Quelle: Norddeutscher Gastroenterologentag 2019