Gendiagnostik lohnt sich nur bei wenigen gastroenterologischen Erkrankungen

Autor: Kathrin Strobel

Manchmal lohnt es sich, die DNA unter die Lupe zu nehmen: Wird ein Defekt im IL-10-Gen gefunden, kann eine Stammzelltransplantation die Darmerkrankung heilen. Manchmal lohnt es sich, die DNA unter die Lupe zu nehmen: Wird ein Defekt im IL-10-Gen gefunden, kann eine Stammzelltransplantation die Darmerkrankung heilen. © wikimedia/ynse (CC BY-SA 2.0)

In den letzten Jahren kamen Forscher den genetischen Ursachen von gastrointestinalen Pathologien mehr und mehr auf die Spur. Weil Lebensstilfaktoren meist jedoch eine größere Rolle spielen, rentieren sich genetische Tests nur für bestimmte Patientengruppen und Indikationen.

Hauptauslöser einer chronischen Pankreatitis ist oftmals ein langjähriger, übermäßiger Alkoholkonsum. Allerdings kommt es nur in etwa 5 % der Fälle unter Alkoholabusus zu dieser Entzündung. Entsprechend sind wohl auch genetische Faktoren nicht ganz unschuldig an der Krankheitsentstehung.

Ist die Genese trotz umfangreicher Diagnostik unklar, sollte eine genetische Testung erfolgen, schreiben die Gastroenterologin Margarete Hohmann und ihre Kollegen vom Universitätsklinikum Dresden. Dies gilt vor allem für junge Patienten oder bei positiver Familienanamnese. Insbesondere, da bei einer hereditären Pankreatitis das Karzinomrisiko in der Bauchspeicheldrüse um das Fünffache erhöht liegt als bei chronischer Entzündung anderer Ursache.

Ebenfalls komplex und multifaktoriell gestaltet sich die Ätiologie chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CED). Mehr als 200 Risikogenvarianten wurden bereits identifiziert, wie das NOD2, das u.a. pathogene Erreger erkennt. Bis zu 40 % der Patienten mit Morbus Crohn weisen einen Polymorphismus dieses Gens auf, doch nur 14 % der Allgemeinbevölkerung. Den Einfluss dieser Krankheitsloci auf die CED-Ätiologie schätzen Hohmann und Kollegen jedoch als unzureichend ein, um eine routinemäßige Gendiagnostik zu empfehlen.

Es gibt jedoch seltene mono- und oligogene Krankheitsformen, die sich durch ein frühes Erkrankungsalter und einen schweren Verlauf auszeichnen. Einige davon kann man personalisiert therapieren (s. Kasten), weshalb eine genetische Testung lohnt. Indikationen sind Erstmanifestation im frühen Kindesalter, familiäre Häufung oder außergewöhnlicher Phänotyp wie eine ausgeprägte Immundefizienz. Seit 2016 kann man die Tests nach einem einheitlichen Bewertungsmaßstab abrechnen.

Potenzieller Ausweg für therapierefraktäre Patienten

Monogene Erkrankungsformen chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen haben entscheidend dazu beigetragen, der Ätiologie auf die Spur zu kommen. Für ein paar der oftmals therapierefraktären Pathologien, die mithilfe der Gendiagnostik identifiziert werden können, gibt es inzwischen zielgerichtete Behandlungen. Die Reservetherapie einer allogenen Stammzelltransplantation kann etwa bei Patienten mit IL-10-Defekten dazu führen, die CED auszuheilen. Weisen Betroffene einen CTLA-4-Defekt auf, profitieren sie möglicherweise von einer Therapie mit Abatacept.

Screening aller Patienten mit Fettleber wäre sinnvoll

Auch bei Fettlebererkrankungen hat sich die Gendiagnostik aller Patienten bislang nicht etabliert. Bestimmte Risikoallelfrequenzen wie z.B. eine Mutation am PNPLA3-Gen gehen aber mit einem dreimal höheren Risiko für ein hepatozelluläres Karzinom einher. In Europa sind zwischen 21 und 28 % davon betroffen. Die Autoren resümieren daher, dass die standardmäßige Genuntersuchung sämtlicher Fettleberpatienten einen wichtigen Beitrag zur Risikostratifizierung, Überwachung und Patientenversorgung leisten könnte.

Quelle: Hohmann M et al. Dtsch Med Wochenschr 2018; 143: 1477-1480