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Brustkrebs Genexpressionstests als Entscheidungshilfe pro/kontra Chemo

DGS 2022 Autor: Birgit-Kristin Pohlmann

Für einen ausgedehnteren Nodalbefall mit vier und mehr involvierten Lymphknoten wurden die Genexpressionsanalysen nicht validiert. Für einen ausgedehnteren Nodalbefall mit vier und mehr involvierten Lymphknoten wurden die Genexpressionsanalysen nicht validiert. © iStock/CIPhotos
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Genexpressionstests wurden entwickelt, um das individuelle Risiko von Personen mit frühem Mammakarzinom, speziell jenen mit HR+/ HER2- Erkrankung, zuverlässiger zu definieren und Kliniker:innen eine Entscheidungshilfe für die adjuvante Behandlung zu geben – zum Beispiel wann eine zusätzliche Chemotherapie-Indikation besteht. Dabei spielen klinische Faktoren ebenfalls eine Rolle.

Die AGO Mamma empfiehlt vier Genexpressionstests mit einer ‚Plus‘-Bewertung für Erkrankte mit frühem luminalem Brustkrebs und maximal drei befallenen Lymphknoten (N0-1), wenn sich anhand der klinischen Faktoren das Risiko nicht ausreichend definieren lässt. Für einen ausgedehnteren Nodalbefall mit vier und mehr involvierten Lymphknoten wurden die Genexpressionsanalysen nicht validiert.

Chemotherapie-Indikation ausreichend definiert?

Für Patient:innen mit HR+/HER2- Mammakarzinom (N0-1) und geringem bis mittlerem genomischem Risiko zeige sich, dass das Alter  eine wichtige Rolle bei der Therapieentscheidung spiele, erläuterte PD Dr. Oleg Gluz, Johanniter Krankenhaus Bethesda, Mönchengladbach. So sei davon auszugehen, dass die Mehrzahl dieser Erkrankten, die 50 Jahre und älter sind, keinen signifikanten Vorteil von einer zusätzlichen Chemotherapie hätten. Jüngere Betroffene ≤ 50 Jahre hingegen scheinen davon zu profitieren. Der absolute prognostische Vorteil der jüngeren (prämenopausalen) Personen betrug in der RxPONDER-Studie knapp 5 % hinsichtlich des invasiven krankheitsfreien Überlebens und 2,5 % bezüglich des fernmetastasenfreien Überlebens. Ein hohes Risiko bedeute aber im individuellen Fall nicht automatisch, dass die Therapieintensivierung zu einem prognostischen Benefit führe. Die klinischen Faktoren spielten ebenfalls eine wichtige Rolle, um den absoluten Vorteil einer zusätzlichen Chemotherapie abzuschätzen, so PD Dr. Gluz. Dies gelte beispielsweise auch für postmenopausale Patientinnen (N0-1) mit HR+/HER2- Mammakarzinom und hohem genomischem Risiko und müsse individuell besprochen werden.

Ist die adjuvante Systemtherapie verzichtbar?

Der Referent geht davon aus, dass es auch Erkrankte mit frühem Mammakarzinom gibt, die keine adjuvante Systemtherapie benötigen. Im Rahmen einer explorativen Analyse der MINDACT-Studie waren Teilnehmende mit niedrigem Risiko  nochmals unterteilt worden in solche mit ‚ultra-low‘ bzw. ‚low Risiko‘. Von Ersteren waren nach acht Jahren noch fast 98 % frei von Fernmetastasen, darunter Frauen, die komplett auf eine adjuvante Systemtherapie verzichtet und auch keine adjuvante endokrine Behandlung erhalten hatten. Die Kurven zum fernmetastasenfreien Überleben mit bzw. ohne adjuvante Systemtherapie waren fast deckungsgleich. Die Daten weisen laut PD Dr. Gluz darauf hin, dass sich dank Genexpressionstests Patient:innen mit sehr niedrigem Risiko identifizieren lassen, um die Behandlung weiter zu deeskalieren.

Ein wichtiger Punkt sei zudem die Vorhersage von Spätrezidiven. Hier bestehe die Notwendigkeit, die Betroffenen zukünftig besser danach zu selektieren, wer von einer Therapieintensivierung beispielsweise im Sinne einer erweiterten bzw. längeren endokrinen Behandlung profitiere. Eine wichtige Studie sei die ADAPT-Late, in die Personen mit HR+/HER2- Mammakarzinom und hohem klinischem und/oder genomischem Risiko eingeschlossen werden, die unter endokriner Therapie rezidivfrei geblieben sind. In der Studie gehe es um den Stellenwert einer 2-jährigen Weiterbehandlung mit endokriner Therapie plus/minus Abemaciclib. 

Quelle:
Gluz O. 41. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie; Vortrag: Genexpressionstest – wer braucht wann welchen Test?

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