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Herzbeteiligung bei Kindern mit COVID-19

Autor: Maria Weiß

Das Herz bleibt bei einer COVID-19-Erkrankung von Kindern meist verschont – vereinzelt treten aber virale Myokarditiden und PIMS auf. Das Herz bleibt bei einer COVID-19-Erkrankung von Kindern meist verschont – vereinzelt treten aber virale Myokarditiden und PIMS auf. © iStock/Phynart Studio
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Entwickelt ein Kind nach einer SARS-CoV-2-Infektion Herzprobleme, sollte man genauer hinsehen. Dahinter könnte eine virale Myokarditis stecken.

Auch wenn Kinder in der Regel eine SARS-CoV-2-Infektion gut wegstecken, kann in einigen Fällen das Herz betroffen sein. Berichtet wird über Einzelfälle von COVID-19-Myokarditiden sowie Auswirkungen des bei Kindern auftretenden pädiatrisch-inflammatorischen multisystemischen Syndroms (PIMS) auf das Herz. 

Virale Myokarditiden sind bei Kindern selten – verlaufen aber relativ häufig schwer. Etwa 20 % der Betroffenen entwickeln innerhalb von drei Jahren nach der Erkrankung eine dilatative Kardio­myopathie, sagte Dr. Franziska­ Seidel­ vom Deutschen Herzzentrum in Berlin. Symptome sind ansonsten leichte bis schwere Herzinsuffizienz, Brustschmerzen und Arrhythmien bis hin zum plötzlichen Herztod. Am häufigsten betroffen sind unter Dreijährige sowie Adoleszenten.

Auch im Rahmen von COVID-19 wurde über einzelne Fälle kindlicher fulminanter Myokarditiden berichtet. Abgesehen von diesen extrem seltenen Ereignissen scheint das kindliche Herz bei einem milden Verlauf von ­COVID-19 meist unversehrt zu bleiben, wie eine Untersuchung von 18 Fällen (im Mittel zwölf Jahre) gezeigt hat. Herzfunktion und -struktur unterschieden sich bei COVID-19-Patienten nicht von denen gesunder Kontrollen. 

Erhöhte Troponin- und NT-proBNP-Werte

Häufiger findet man eine kardiale Beteiligung im Rahmen des PIMS. Dr. Seidel berichtete beispielhaft von einem 16-jährigen Jungen, der vier Wochen nach einem eher leichten COVID-19-Verlauf Beschwerden entwickelte. Die SARS-CoV-2-PCR war inzwischen negativ, die Antikörper positiv. Auffällig waren ein deutlich erhöhtes Troponin, NT-proBNP und eine CRP von 260 mg/l. Die kardiale MRT bestätigte den Verdacht auf eine Myokarditis und die Endomyokardbiopsie ergab eine lymphozytäre Myokarditis ohne Virusnachweis. 

Ein ähnliches Bild lieferte auch die Auswertung von 286 Fällen einer kardiovaskulären Beteiligung bei PIMS. Fast alle Patienten zeigten bei Krankenhausaufnahme erhöhte Troponin- und NT-proBNP-Werte, bei etwa einem Drittel war ein Perikard­erguss nachweisbar. 

Im PIMS-Survey mit 305 bisher gemeldeten Fällen waren Herz-Kreislauf-Probleme nach Fieber das häufigste Symptom (78 %) und auch Restsymptome bei Entlassung sowie Folgeschäden betrafen überwiegend das Herz-Kreislauf-System. Bei kardialen Problemen nach einer ­SARS-CoV-2-Infektion sollte man immer an eine PIMS denken. Zur Diagnose empfiehlt sich in jedem Fall die kardiale MRT, sagte Dr. ­Seidel.

Kongressbericht: 15. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (Online-Veranstaltung)

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