Intensive Blutdrucksenkung schützt Herz und Hirn

Autor: Manuela Arand

Nicht nur das Herz, sondern auch das Hirn profitiert von der Blutdrucksenkung. © iStock.com/AlexLMX

Was dem Herzen nutzt, hilft wohl auch dem Hirn: Eine straffe blutdrucksenkende Therapie scheint die Kognition von Hypertonikern besser zu bewahren als die Therapie mit laxen Zielwerten.

In den letzten Jahren hatte die SPRINT-Studie immer wieder Zündstoff geliefert, nun führt SPRINT MIND zu Kontroversen. Denn die Ergebnisse dieser Substudie deuten darauf hin, dass ein Blutdruckziel von unter 120 mmHg kardiovaskuläre Komplikationen und Todesfälle wirksamer verhindern kann als die weniger intensive Drucksenkung unter 140 mmHg.

Schon nach der ersten Zwischenauswertung stand das Resultat fest, sodass die Studie anderthalb Jahre vor ihrem geplanten Ende abgebrochen wurde. Seither diskutieren Experten, welches Ziel bei der Blutdruckkontrolle denn nun anzustreben ist. Eigentlich hatte SPRINT MIND prüfen sollen, ob an der aus epidemiologischen Untersuchungen abgeleiteten Hypothese vom Demenzschutz durch Blutdrucksenkung etwas dran ist.

Dazu wurden 9361 Teilnehmer umfangreichen neurokognitiven Leistungstests unterzogen, 454 Patienten außerdem ins MRT geschoben. Geplant war, die Untersuchungen alle zwei Jahre zu wiederholen, doch der Studienabbruch machte den Forschern einen Strich durch die Rechnung. Die Tests liefen zwar weiter, der Zeitplan geriet aber durcheinander.

Nach Ansicht von Professor Dr. Jeffrey Williamson, der die Gerontologie am Wake Forest Baptist Medical Center in Winston-Salem leitet, dürfte das die Studienergebnisse verfälscht haben. Denn zum einen stieg der Blutdruck in der Gruppe der intensiv Therapierten nach dem vorzeitigen Studienende um 7 mmHg an, während er unter konventioneller Behandlung etwa gleich blieb. Zum anderen schieden etliche Patienten vorzeitig aus oder waren nicht mehr auffindbar.

Dennoch spricht das Resultat dafür, dass die strengere Blutdruckeinstellung auch dem Hirn gut tut, da aus dieser Gruppe signifikant weniger Patienten eine minimale kognitive Dysfunktion entwickelten. Allerdings wurde die Signifikanz bei der manifesten Demenz verfehlt. Dafür zeigten die Kernspinaufnahmen, dass die weiße Hirnsubstanz unter intensiver Therapie deutlich weniger Schaden genommen hatte.

Verwendete Messmethode steht noch immer in der Kritik

Auch die kardiovaskulären Ergebnisse von SPRINT stehen weiterhin in der Diskussion. Vor allem die zur Blutdruckmessung verwendete Methode steht in der Kritik. Die amerikanischen Fachgesellschaften scheren sich anscheinend wenig um diese Debatte. Sie definieren in ihrer neuen Leitlinie einen Blutdruck über 130 mmHg als Hypertonie und empfehlen ab diesem Wert eine Therapie. Die Europäer indes halten an der Definition von Bluthochdruck erst ab 140 mmHg fest.

Quelle: Alzheimer’s Assocation International Conference