Ist die Hautkrebs-Chemo bald Vergangenheit?

Autor: Friederike Klein

Spinozelluläre Karzinome weisen i.d.R. viele Mutationen auf und sind damit einer Immuntherapie gut zugänglich. © wikimedia/Klaus D. Peter, Wiehl, Germany; wikimedia/Patho

Mit einem metastasierten Melanom – früher eine infauste Diagnose – können immer mehr Patienten immer länger überleben. Ein ähnlicher Erfolg wird auch beim fortgeschrittenen Basalzell- und Plattenepithelkarzinom erwartet.

Vor knapp 30 Jahren überlebte mit der damals möglichen Chemotherapie nur jeder vierte Patient mit metastasiertem schwarzem Hautkrebs das erste Jahr nach Dia­gnose. Mit dem ersten Immuntherapeutikum Ipilimumab war es 2011 schon fast jeder Zweite. Und mit der Kombination zweier Checkpoint-Inhibitoren oder zweier zielgerichteter Therapien sind es inzwischen etwa drei Viertel der Krebskranken.

Die Überlebensrate nach drei Jahren ist in Studien mit diesen Kombinationen auf 58 % angestiegen. Professor Dr. Stephan Grabbe, Direktor der Hautklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin der Universität Mainz, spricht von möglicher Heilung und ist überzeugt: Der Anteil derjenigen Patienten, die sehr lange mit einem metastasierten Melanom überleben oder sogar geheilt werden, kann weiter gesteigert werden. Und zwar mit konsequenter Grundlagenforschung, weiteren klinischen Studien, einer geeigneten Patientenselektion und einem frühen Behandlungsbeginn.

Bislang begrenzte Optionen bei fortgeschrittenen Tumoren

Professor Dr. Axel Hauschild vom Dermatologikum in Kiel glaubt, dass diese Erfolgsgeschichte auch bei fortgeschrittenen epithelialen Hauttumoren fortgeschrieben werden kann. Viele Plattenepithelkarzinome (spinozelluläres Karzinom, SCC) und Basalzellkarzinome (BCC) lassen sich zwar konventionell gut behandeln. Bei lokal fortgeschrittenen Tumoren, die nicht für eine OP oder Strahlentherapie geeignet sind, sowie bei Metastasierung sind die Therapiemöglichkeiten aber begrenzt.

Die Immuntherapie ist beim hellen Hautkrebs besonders Erfolg versprechend, weil diese Krebsform ausgesprochen viele Mutationen aufweist. Und gerade Tumoren mit einer großen Mutationslast sind gut zugänglich für die Immuntherapie. Erste Hinweise auf die Wirksamkeit der Immuntherapie beim SCC zeigte eine Fallserie mit Pembrolizumab und Nivolumab. Eine Zulassungsstudie für fortgeschrittene und metastasierte SCC läuft derzeit für den PD-1-Inhibitor Cemiplimab. Es wurden bereits Remissionsraten von 50 % berichtet, wobei das Ansprechen bei vier von fünf Patienten über viele Monate anhielt.

Nach Anpassung des Studiendesigns können auch in Deutschland demnächst Patienten eingeschlossen werden, berichtete Prof. Hauschild. Auch seine eigenen ersten Erfahrungen mit Cemiplimab sind gut: Ein 86-jähriger Patient mit einem aggressiv wachsenden SCC im Bestrahlungsfeld am Hals kam mit dem Antikörper in eine anhaltende Komplettremission und verträgt die Therapie bislang sehr gut. Ähnliche Ansprechraten bei vergleichbar guter Verträglichkeit wurden beim metastasierten, nicht resezierbaren SCC in einer offenen Phase-II-Studie mit Pembrolizumab erzielt.

Es gibt Resistenzen gegen Hedgehog-Signalweg-Hemmer

Beim fortgeschrittenen BCC mit teilweise sehr großen Tumoren kommen bislang Hedgehog-Signalweg-Inhibitoren zum Einsatz. Es gibt gute Erfolge, doch die Therapie wird nicht immer toleriert. Es gibt auch Resistenzentwicklungen. Derzeit prüft eine Zulassungsstudie Cemiplimab bei fortgeschrittenem, nicht resezierbarem oder metastasiertem BCC, das für Hedgehog-Signalweg-Hemmer refraktär ist. Damit hat die Immuncheckpoint-Blockade auch beim hellen Hautkrebs Einzug gehalten – die Chemotherapie ist für Prof. Hauschild beim fortgeschrittenen Basalzell- und Plattenepithelkarzinom passé.

Quelle: 26. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie 2018