Keine ketogene Diät für Tumorkranke!

Autor: Ulrike Viegener

Die schwerkranken Patienten werden durch Nebenwirkungen der ketogenen Diät, wie Gewichtsverlust und Mangelzustände, gefährdet. © Pixabay

Das Statement der Arbeitsgemeinschaft Prävention und Integrative Onkologie der DKG ist eindeutig: Es gibt aktuell keine Evidenz dafür, dass ketogene Diäten das Tumorwachstum günstig beeinflussen.

Ketogene Diäten sollen den Krebs aushungern. Maligne Zellen decken ihren Energiebedarf bevorzugt via Glykolyse. Deshalb – so wird argumentiert – lasse sich durch eine Limitierung der Kohlenhydratzufuhr der Stoffwechsel von Tumorzellen ausbremsen. Mehrere ketogene „Krebsdiäten“ sind im Umlauf, denen ein niedriger Kohlenhydratanteil (meist unter 70 g täglich) bei hohem Fettanteil gemeinsam ist.

Zwar wurde in tierexperimentellen Studien teilweise ein verlangsamtes Tumorwachstum beobachtet, die Datenlage ist jedoch kontrovers. Es gibt Hinweise, dass sich das Wachstum im weiteren Verlauf sogar beschleunigen kann.

Ein aktuelles systematisches Review der klinischen Daten stützt sich auf 15 kleinere Studien (acht prospektiv, zwei retrospektiv, fünf Fallberichte): Insgesamt 177 onkologische Patienten folgten darin einer isokalorischen ketogenen Diät, die aber von 110 Patienten vorzeitig beendet wurde. Ein günstiger Einfluss auf Tumorwachstum und Prognose ist durch keine klinische Studie belegt. Auch für die Behauptung, eine ketogene Diät verbessere die Wirksamkeit der Chemo- bzw. Strahlentherapie, gibt es keine klinische Evidenz.

Andererseits werden die schwerkranken Patienten durch Nebenwirkungen der ketogenen Diät – Gewichtsverlust, Mangelzustände, Übelkeit, Obstipation, Sedierung und andere – gefährdet. Außerdem können diese Begleiterscheinungen leicht mit Folgen der Krebserkrankung verwechselt werden. Mit einer Gewichtsabnahme ist unter ketogener Diät selbst dann zu rechnen, wenn die Energiezufuhr nicht reduziert wird.

Bei Gewichtsverlust nach „Krebsdiät“ fragen

Die in Studien dokumentierten Gewichtsverluste bewegen sich in einer Größenordnung, die onkologische Patienten in einen Zustand der Mangelernährung führen kann. Dies ist bereits bei einer 5%igen Gewichtsabnahme innerhalb von drei Monaten der Fall.

Vor diesem Hintergrund kommen die Autoren zu dem Schluss, dass ketogene Diäten für Krebs­patienten nicht empfohlen werden können. Ärzte sollten ihre Patienten entsprechend aufklären und bei unbeabsichtigter Gewichtsabnahme eine ketogene Diät gezielt ausschließen.

Quelle: Erickson N et al. Ernährungs Umschau 2017; 64: M514-M516