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Keratokonjunktivitis durch Eichen-Prozessionsspinner?

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Die Augenentzündung scheint bei bis zu einem Fünftel aller Patienten mit Eichen-Prozessionsspinner-assoziierten Beschwerden vorzukommen. Die Augenentzündung scheint bei bis zu einem Fünftel aller Patienten mit Eichen-Prozessionsspinner-assoziierten Beschwerden vorzukommen. © iStock/dennisvdw
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Der Hautausschlag v.a an den Unterarm-Innenseiten nach dem Spaziergang am Waldrand ist ein klares Zeichen dafür, dass der Patient mit Brennhaaren des Eichenprozessionsspinners in Berührung gekommen ist. Was tun, wenn auch die Augen betroffen sind?

Den Eichen-Prozessionsspinner kennt man als Auslöser eines Hautausschlags. Dringen die mit Widerhaken versehenen Brennhaare der Raupen in die Hautoberfläche ein, geben sie einen Giftstoff frei (Thaumetopoein). Dieser alarmiert den Organismus und lässt ihn Histamin und verschiedene Kinine sezernieren, die dann das typische Bild einer mechanisch-pseudoallergischen Dermatitis hervorrufen.

Klassischerweise finden Sie die Läsionen vor allem an den inneren Unterarmen. Das Einatmen der Brennhaare kann Anfälle einer Atemnot auslösen, wenn sie die Schleimhaut in Luftröhre und Bronchien reizen.

Weniger bekannt ist dagegen die Augenentzündung durch die Brennhaare, erklärt die niedergelassene Augenärztin Dr. Friederike Dörner aus Bocholt. Dabei scheint diese bei bis zu einem Fünftel aller Patienten mit Eichen-Prozessionsspinner-assoziierten Beschwerden vorzukommen. Bei den Betroffenen fallen schon makroskopisch eine Lidschwellung und ein „rotes Auge“ auf, verursacht durch die Hyperämie der Bindehautgefäße. Die Sehkraft kann leicht reduziert sein.

Schaut man dann – in Oberflächenanästhesie – mit der Spaltlampe genau hin (in maximaler Vergrößerung), sieht man in Schrägeinstellung die aufleuchtenden Brennhaare, die sich in der Cornea eingenistet haben, berichtet Dr. Dörner. Und damit steht eigentlich die Diagnose, wenn der Patient passende anamnes­tische Angaben macht. So z.B. bei einem 35-Jährigen, dem beim Entsorgen von Gartenabfällen „etwas ins Auge geflogen“ sei.

Besonders groß ist die Gefahr in der Nähe einzeln stehender Eichen und Eichen am Waldrand, vor allem wenn bewohnter Häuser in der Umgebung sind. Licht zieht die adulten Nachtfalter an. Auch wenn die Eiche nicht mehr steht, können Brennhaare sich am Boden ansammeln und noch jahrelang Probleme verursachen. Der Wind kann sie außerdem über weite Strecken verbreiten.

Die Therapie besteht darin, die Brennhaare zu entfernen – was am Auge einfacher klingt als es ist: Sie sind etwa so dick wie ein Erythrozyt. Im Epithel gelegene Haare lassen sich mit einem Wattetupfer abnehmen, sonst muss man mit der Hornhautdiamantfräse ran. Tief im Stroma gelegene Brennhaare belässt man besser dort, da die sonst verursachten Narben mehr schaden als nutzen. Danach wird das Auge mit einer Verbandskontaktlinse abgedeckt und werden Dexamethason-Anti­biotika-Augentropfen verschrieben. Damit heilt die Verletzung, wenn keine tieferen intraokulären Strukturen beteiligt sind, meist folgenlos aus, schließt Dr. Dörner.

Quelle: Dörner F. Z prakt Augenheilkd 2020; 41: 411-414

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