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Lungenembolie: Höheres D-Dimer-Limit beschleunigt die Diagnostik

Autor: Dr. Judith Lorenz

Der Anteil der im CT untersuchten Patienten sank von 52 % auf 34 %. Der Anteil der im CT untersuchten Patienten sank von 52 % auf 34 %. © iStock/wildpixel
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Nicht jeder Lungenembolieverdacht bestätigt sich. Anhand der Klinik sowie der Fibrinspaltprodukte lassen sich beizeiten diejenigen Patienten identifizieren, bei denen weder eine Computertomografie noch eine Antikoagulation weiterhelfen.

Assessmentverfahren wie der Wells-Score bilden das Lungenembolierisiko in den Kategorien „gering“, „mäßig erhöht“ sowie „hoch“ ab. Bislang gilt: Bei geringer klinischer Wahrscheinlichkeit schließt eine D-Dimer-Konzen­tration von weniger als 500 ng pro Milliliter eine potenzielle Embolie praktisch aus.

Kein Verschluss bei Laborwert < 1000 ng und geringem Risiko

Allerdings findet sich diese Konstellation lediglich bei 30 % der ambulant behandelten Patienten, erläutert Professor Dr. Clive Kearon­ von der Abteilung für Innere Medizin der McMaster University in Hamilton. Gemeinsam mit weiteren Forscherkollegen prüfte er daher, ob eine Verdopplung des Grenzwerts für das Fibrinspaltprodukt bei Personen mit geringem Risiko vertretbar ist.

Das Studienkollektiv bildeten 2017 Patienten im Alter von durchschnittlich 52 Jahren, die sich ambulant zur Abklärung eines Lungenembolieverdachts vorstellten. Gemäß Wells-Score bestand diesbezüglich bei 1752 von ihnen (87 %) eine geringe und bei 218 (11 %) eine mäßig erhöhte Wahrscheinlichkeit.

Bei Unterschreiten des neu gesetzten D-Dimer-Grenzwertes verzichteten die Wissenschaftler auf weitere diagnostische und therapeutische Maßnahmen, bei Personen mit mäßig erhöhtem Risiko hielten sie am etablierten Grenzwert von 500 ng pro Milliliter fest. Bei den 47 Patienten (2 %) mit hoher klinischer Erkrankungswahrscheinlichkeit wurde generell eine Untersuchung im Computertomographen angeordnet.

Bei keinem der insgesamt 1325 Patienten mit geringem beziehungsweise mäßigem Risiko bei gleichzeitig negativem D-Dimer-Befund wurde im Verlauf der folgenden drei Monate eine Lungenembolie diagnostiziert. Rund 34 % der Studienteilnehmer erhielten eine Bildgebung. Bei traditionellem Management – also dem Ausschluss einer Lungenembolie nur bei geringer klinischer Wahrscheinlichkeit und einer gleichzeitigen ­D-Dimer-Konzentration < 500 ng pro Milliliter – wären dagegen mehr als die Hälfte der Patienten (52 %) mittels Computertomographie untersucht worden.

Übertragbarkeit auf stationäres Setting ungewiss

Bei geringer beziehungsweise mäßiger klinischer Wahrscheinlichkeit und einer D-Dimer-Konzentration von weniger als 1000 beziehungsweise 500 ng pro Milliliter ist eine Lungenembolie nahezu ausgeschlossen, so das Fazit der kanadischen Experten. Unklar sei allerdings, ob dieser Zusammenhang auch für stationär untergebrachte Patienten gilt.

Quelle: Kearon C et al. N Engl J Med 2019; 381: 2125-2134; DOI: 10.1056/NEJMoa1909159


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