Manche Chlamydien tarnen sich als Neoplasie

Autor: Friederike Klein

Sah aus wie ein Karzinom, war aber das Resultat einer Chlamydien-Infektion. © iStock.com/nopparit

Seit einigen Tagen hatte der 53-Jährige schmerzhaften, blutigen Stuhl. Die ambulante Koloskopie ergab den hochgradigen Verdacht auf ein Rektumkarzinom. Zum Glück reagierte die Klinik dann nicht über.

Mit der Endosonographie wurde der Befund als Rektumkarzinom des Stadiums UICC III N+ klassifiziert, weil die Läsion in die Tiefe ging und Lymphknoten sichtbar waren. Das einzige Problem: Sowohl in der ambulanten als auch der stationären Untersuchung ließen sich histologisch keine Krebszellen nachweisen.

„Ich habe solche Fälle schon in Tumorboards verfolgt bis hin zur empirischen neoadjuvanten Therapie mit Rektumexstirpation“, berichtete Privatdozent Dr. Roger Vogelmann von der II. Medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim. „Da müssen Sie dann auch mal ‚Halt!‘ sagen!“

Histologisch zeigte die Schleimhaut eine diffuse, zelldichte granulierende und auch ulzerierende Entzündungsreaktion, ein Biopsat wurde als histologisch hyperplastischer Rektumpolyp ohne Epitheldysplasie beschrieben. Die immunhistochemische Untersuchung ergab weder einen Hinweis auf ein Kaposi-Sarkom noch auf eine zytomegalieassoziierte Entzündung, säurefeste Stäbchen, Dysplasie oder Malignität.

Der Mann erhielt wegen der Entzündungsreaktion eine Therapie mit Mesalazin. Vier Wochen später stellte er sich zur Kontrolluntersuchung vor und sein Lebensgefährte war dabei. Der berichtete, dass er vor Auftreten der Probleme des Patienten einen eitrigen Ausfluss gehabt hatte.

Immer auch nach Problemen beim Partner fragen!

„Wenn Sie so einen Befund sehen, fragen Sie immer nach Symptomen auch beim Partner, das ist anamnestisch enorm wichtig“, betonte Dr. Vogelmann. Nun wurde eine erweiterte Diagnostik auf sexuell übertragbare Krankheiten durchgeführt. Es ergab sich ein positiver Befund für Chlamydien. „Weil ich wusste, was rauskommt, hatte ich inzwischen eh schon empirisch auf Chlamydien behandelt“, gab Dr. Vogelmann zu. Schon nach zwei Wochen Antibiotika-Therapie war der Patient wieder beschwerdefrei.

Quelle: Viszeralmedizin 2018