Nasales Glukagon beliebter als Autoinjektion

Autor: Dr. Kerstin Tillmann

Die nasale Gabe von Glukagon ist vor allem für Kinder angenehmer als die Injektion. Die nasale Gabe von Glukagon ist vor allem für Kinder angenehmer als die Injektion. © iStock/filadendron

Bei einer schweren Unterzuckerung brauchen Diabetespatienten Hilfe von anderen – durch die Gabe von Glukagon. Die meisten ziehen laut einer aktuellen Umfrage dann ein nasales Pulverspray statt eine Injektion vor.

Bei einer schweren Hypoglykämie ist aktuell außerhalb einer Klinik die Gabe von 1 mg Glukagon indiziert – per Injektion und durch einen Helfer, nicht den Patienten selbst. Derzeit in Europa verfügbare Notfallkits gelten als komplex, auch weil die Injektion zunächst vorbereitet werden muss. Der Ruf nach einfach handhabbaren Varianten, wie Notfall-Glukagon-Nasensprays, wird daher lauter. Vor Kurzem wurde nun ein nasales Glukagonpräparat zur Einmalgabe von der FDA zugelassen. Für Europa wird die Zulassung aktuell überprüft. Eine positive CHMP-Empfehlung wurde bereits ausgesprochen.

In den USA ist zudem ein sofort gebrauchsfertiger Glukagon-Autoinjektor verfügbar. Um herauszufinden, wie Dia­betespatienten, Betreuungspersonen oder Bekannte Nasenspray bzw. Autoinjektor einschätzen, führte ein US-Wissenschaftlerteam qualitative Interviews im Rahmen einer Studie durch.

Fast drei Viertel bevorzugten das nasale Glukagon

Die 45 Teilnehmenden wurden strukturiert telefonisch befragt. Dabei zogen über alle Gruppen hinweg mit 73 % deutlich mehr Personen nasales Glukagon einer Injektion vor (27 %).

Einige Aspekte sprachen laut den Befragten für eine nasale Option: So wirkte das Nasenspray einfach mitzunehmen und zu nutzen. Zudem ist keine Nadel notwendig und es ist nicht nötig, Kleidung zu entfernen, um an eine Injektionsstelle zu gelangen. Außerdem gaben die Befragten an, dass andere Menschen sich woh­ler damit fühlen würden, Nasenspray statt Autoinjektor zu benutzen.

Keine Vorbereitung nötig

Bei den beiden abgefragten Optionen ist das Notfall-Glukagon gebrauchsfertig: Die nasale Option liegt als ein synthetisches, trockenes Glukagon-Pulver vor, der Autoinjektor enthält ein bei Raumtemperatur stabiles, flüssiges Glukagon.

Für die Injektion spricht laut der Teilnehmenden allerdings, dass ein Notfall-Injektor ein in den USA bekanntes Konzept ist und dass Nutzer sicher überzeugt sind, dass so die volle Dosis abgegeben wird. Andererseits könnte es sein, dass Helfer bei einer Injektion zögerlicher reagieren, da es gilt, einen geeigneten Ort für die Injektion zu finden.

Die Befragten gaben auch an, dass sie sich in sozialer Hinsicht wohler fühlen würden, ein Nasenspray zu geben, da sie dies als diskreter ansahen. Auch schätzen sie die nasale Gabe als weniger traumatisch für Kinder ein.

Quelle: Bajpai SK et al. Clin Ther. 2019; 41: 2073-2089; DOI: 10.1016/j.clinthera.2019.08.006