Netz statt Naht bei kleinen Hernien

Autor: Dr. Judith Lorenz

Aufgrund der besseren Langzeit­ergebnisse werden große Nabelbrüche meist mit synthetischen Netzen verstärkt. © iStock/PhotoGraphyKM

Rezidivbrüche nach einer Nabelhernienkorrektur sind häufig. Kollegen fordern nun aufgrund einer aktuellen Studie, Hernien bereits ab 1 cm Durchmesser mittels Netz zu versorgen.

Aufgrund der besseren Langzeit­ergebnisse werden große Nabelbrüche – ähnlich wie Narben- oder Leistenhernien – i.d.R. mit synthetischen Netzen verstärkt. Ein internationales Ärzteteam konnte nun nachweisen, dass auch Patienten mit kleinen Defekten von dieser Versorgung profitieren. Hierzu führten sie an Kliniken in den Niederlanden, Deutschland und Italien eine Studie mit 300 Teilnehmern im Durchschnittsalter von 52 Jahren durch, die eine 1–4 cm messende primäre Nabelhernie hatten.

Die Hälfte erhielt eine Nahtversorgung des umbilikalen Defekts, den übrigen 150 Patienten wurde ein Polypropylen-Netz eingenäht. Kontrollen fanden zwei Wochen sowie 3, 12 und 24–30 Monate nach dem Eingriff statt. Die Zwei-Jahres-Rezidivrate betrug mit der alleinigen Naht 11,4 %, mit dem Netz hingegen 3,6 %. Dies entsprach einer Risikoabnahme um nahezu 70 % mit einer number needed to treat von 12,8. Bezüglich der Häufigkeit postoperativer Komplikationen und Schmerzen sowie der Lebensqualität unterschieden sich die Gruppen nicht.

Angesichts der Nachhaltigkeit des Operationsergebnisses und der guten Verträglichkeit befürworten die Kollegen, bei allen Nabelbrüchen mit einem Durchmesser von mindestens 1 cm ein Netz zu implantieren.

Quelle: Kaufmann R et al. Lancet 2018; online first