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Neue App mit Fotoerkennung hilft beim Schätzen von Kohlenhydraten

Autor: Antje Thiel

Von den jungen Teilnehmern einer Pilotstudie zeigten sich 93 % mit der App zufrieden, 43 % nutzten sie am Ende noch immer intensiv. Von den jungen Teilnehmern einer Pilotstudie zeigten sich 93 % mit der App zufrieden, 43 % nutzten sie am Ende noch immer intensiv. © Viktor Kochetkov – stock.adobe.com
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Nur etwa ein Drittel aller Menschen mit Diabetes schafft es, den Kohlenhydratanteil ihrer Mahlzeiten korrekt zu schätzen. Unter Jugendlichen gelingt es sogar nur jedem Vierten, das eigene Lieblingsgericht richtig zu berechnen. Hilfe verspricht nun eine neue App namens iSpy.

Mithilfe von maschinellem Lernen will die Smartphone-App „iSpy“ Menschen mit Diabetes darin unterstützen, den Kohlenhydratanteil in einem Gericht genauer zu schätzen. Davon profitieren soll auch die Lebensqualität der Nutzer. Neue Nahrungsmittel lassen sich in die Datenbank integrieren, indem man sie entweder – ganz klassisch – eintippt oder per Spracherkennung bzw. Foto aufnimmt. Angaben zur Portionsgröße und zu den Beilagen wie Saucen etc. ergänzen die Eingabe, berichtete Dr. Jeffrey­ Alfonsi­ vom Telemedizinanbieter Ontario Health, der die App entwickelt hat.

In einer Pilotstudie hatte man in drei aufeinanderfolgenden Zyklen zunächst die Akzeptanz und Nutzerfreundlichkeit der App untersucht. Dabei zeigten sich am Ende 93 % der Teilnehmenden zufrieden. Alle gaben an, iSpy helfe ihnen beim Berechnen der Kohlenhydrate. 80 % können sich vorstellen, die App täglich zu nutzen. „Das war für uns besonders wichtig, da Menschen mit Typ-1-Diabetes ja bereits etliche andere Aufgaben haben, die sie täglich verrichten müssen“, betonte Dr. Alfonsi.

Die klinischen Ergebnisse der Pilotstudie stellte Mark­ Palmert­ vom Hospital for Sick Children in Toronto vor. Von den 44 teilnehmenden Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes im Alter zwischen 10 Jahren und 17 Jahren hatte jeder eine Schulung zum Kohlenhydratschätzen erhalten. Die Hälfte von ihnen nutzte iSpy, die anderen 22 bildeten die Kontrollgruppe. Nach drei Monaten lag die Fehlerrate beim Schätzen im iSpy-Arm bei 27 % gegenüber 38 % im Kontrollarm. Der Anteil grober Schätzfehler von mehr als 10 g Kohlenhydrate betrug mit iSpy 21 % und damit deutlich weniger als ohne diese Hilfe (32 %).

Die höhere Schätzgenauigkeit ging auch mit einer Verbesserung der Stoffwechsellage einher. Nachdem zu Studienbeginn beide Gruppen im Schnitt vergleichbare HbA1c-Werte aufgewiesen hatten (iSpy: 8,41 %, Kontrolle: 8,35 %), verbesserte sich der Wert bei den Appanwendern auf 8,06 %, während er sich in der Kontrollgruppe sogar auf 8,8 % verschlechterte.

Insgesamt bewerteten 86 % die App als „relativ einfach“ zu nutzen. Palmert erklärte: „Wie bei anderen Apps ließ die Begeisterung mit der Zeit nach. Doch am Ende der Studie gab es immer noch 43 % intensive Nutzer.“ Damit habe sich gezeigt, dass digitale Gesundheitsanwendungen wie iSpy das klassische Diabetesmanagement von Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes sinnvoll ergänzen können.

Kongressbericht: ATTD 2021


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