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Kolorektalkarzinom Noch mal das Gleiche, bitte!

Autor: Dr. Daniela Erhard

Wie schon in anderen Studien, profitierten auch in dieser Arbeit Personen mit Tumoren ohne RAS- oder BRAF-Mutation stärker von der Therapie. Wie schon in anderen Studien, profitierten auch in dieser Arbeit Personen mit Tumoren ohne RAS- oder BRAF-Mutation stärker von der Therapie. © iStock/Inside Creative House
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Verlieren EGFR-Antikörper ihre wachstumshemmende Wirkung, ist eine spätere Wiederaufnahme dieser Krebstherapie offenbar nicht ausgeschlossen. Zumindest eine stabile Erkrankung kann so erreicht werden.

Gegen EGFR gerichtete Antikörper stellen eine valide Behandlungsoption für Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom ohne RAS-Mutationen dar. Allerdings schreitet die Erkrankung häufig nach einer Weile trotzdem voran – weil mit der Zeit mutierte Zellen und damit resistente Klone die Überhand gewinnen. Gelingt es, diese durch einen Therapiewechsel zu eliminieren und so wieder zum RAS-Wildtyp zurückzukehren, könnten die Betroffenen erneut von der Anti-EGFR-Behandlung profitieren. Darauf deuten Daten aus der italienischen CAVE-Studie hin, die Forscher um Professor Dr. Erika Martinelli von der Universität Kampanien „Luigi Vanviteli“ in Neapel veröffentlicht haben.

Die Autoren schlossen 77 Personen mit einem metastasierten kolorektalen Adenokarzinom vom RAS-Wildtyp ein. Die Teilnehmer hatten in der ersten Linie komplett oder partiell u.a. auf Cetuximab in Kombination mit einer Chemotherapie angesprochen und aufgrund einer Progression auf ein anderes Regime wechseln müssen. Sie erhielten erneut Cetuximab, ergänzt durch den Checkpoint-Inhibitor Avelumab.

Zwar kamen sie damit in Bezug auf ein komplettes oder teilweises Ansprechen mit 1,3 % und 6,5 % nicht an die Raten aus der Erstlinie heran. Die Re-Challenge bot aber mehr als jedem zweiten Patienten die Chance, das Tumorwachstum im Sinne einer stabilen Erkrankung zu stoppen, sodass diese sich in 65 % der Betroffenen zumindest zeitweise kontrollieren ließ. Das resultierte in einem medianen PFS von 3,6 Monaten und einem medianen OS von knapp einem Jahr. Am Ende der median 19,5 Monate langen Nachbeob­achtung war noch etwa ein Viertel der Teilnehmer am Leben, 5 % erhielten ihre Medikamente weiterhin.

RAS-/BRAF-Wildtyp: Risiko für Progress oder Tod halbiert

Wie schon in anderen Studien, profitierten auch in dieser Arbeit Personen mit Tumoren ohne RAS- oder BRAF-Mutation stärker von der Therapie. Basierend auf den Daten von 67 Erkrankten, für die Angaben zur zirkulierenden Tumor-DNA zur Verfügung standen, lag die mediane Überlebensdauer ohne Gen-Veränderung mit 17,3 Monaten deutlich über den 10,4 Monaten von Betroffenen mit entsprechender Alteration. Ebenso blieben Patienten mit RAS-/BRAF-Wildtyp mit 4,1 Monaten vs. 3 Monaten im Median etwa fünf Wochen länger vor dem Voranschreiten der Erkrankung verschont. 41 % von ihnen waren zwischen sechs und 15 Monaten progressionsfrei – eine Zeit, die keiner der Teilnehmer mit Mutation erreichte.

Insgesamt ging das Vorliegen eines RAS-/BRAF-Wildtyps demnach mindestens mit einer Halbierung des Sterbe- (HR 0,49; 95%-KI 0,27–0,90, p = 0,02) bzw. Progressionsrisikos (HR 0,42, 95%-KI = 0,23–0,75, p = 0,004) einher. Dabei spielte es offenbar keine Rolle, ob eine Mikrosatelliteninstabilität (MSI-H) vorlag – die Ergebnisse blieben annähernd gleich, wenn die Autoren nur Patienten mit Mikrosatellitenstabilität berücksichtigten. Diese machten mit 92 % allerdings die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer aus. 

Risiko-Nutzen-Verhältnis besser als beim Standard

Das Sicherheitsprofil beschreiben Dr. Martinelli und Kollegen als gut und besser als unter der Standard-Behandlung mit z.B. Regorafenib oder Trifluridin-Tipiracil, die außerdem nur einen mäßigen klinischen Benefit böten. Grad-3-Toxizitäten manifestierten sich am häufigsten an der Haut sowie als Diarrhö, was 14 % bzw. 4 % der Patienten betraf. Schwerwiegendere unerwünschte therapiebedingte Ereignisse vom Grad 4 oder 5 traten nicht auf.

Da eine Immuntherapie beim metastasierten Darmkrebs sonst nur bei MSI-H-Erkrankten wirkt, vermuten die Forscher ein verstärktes Zusammenwirken der Substanzen. So trage die Kombination auch zur antikörperabhängigen zellvermittelten Zytotoxizität (ADCC) bei.

Quelle: Martinelli E et al. JAMA Oncol 2021; 7: 1529-1535; DOI: 10.1001/jamaoncol.2021.2915

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