Rheuma: Physikalische Therapie ist unentbehrlich

Autor: Dr. Alexandra Bischoff

Die physikalische Therapie ist ein fester Bestandteil der Rheumabehandlung. Die physikalische Therapie ist ein fester Bestandteil der Rheumabehandlung. © iStock.com/ljubaphoto

Ob Physio-, Thermo- oder Elektrotherapie – wer Rheumapatienten behandelt, sollte in puncto Heilmittelverordnungen fit sein. Denn bei Erkrankungen aus diesem Formenkreis ist die physikalische Medizin unentbehrlich.

Ungefähr 30 % der rheumatologisch betreuten Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) und ankylosierender Spondylitis (AS) leiden unter starken Schmerzen. Diese führen in Kombination mit Funktionsstörungen bei vier von zehn Patienten zu alltagsrelevanten Einschränkungen. Fast die Hälfte der Betroffenen hat schwere Leistungsbeeinträchtigungen, jeder zweite davon bezieht eine Erwerbsminderungsrente.

Das Ausmaß der Funktionsminderung wirkt sich auch auf die jährlichen Gesamtkrankheitskosten aus. In schweren Fällen betragen sie bis zu 35 000 € – gegenüber ca. 8000 € bei leichter Ausprägung.

Umso wichtiger ist deshalb ein multimodales Behandlungskonzept, zu der die physikalische Therapie als fester Bestandteil gehört, schreiben Professor Dr. Uwe Lange­ von der Rheumatologie an der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim und Professor Dr. Stefan Rehart von der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Agaplesion Markus Krankenhaus in Frankfurt. Die beiden Experten halten die Methoden der physikalischen Medizin bei zahlreichen rheumatologischen Erkrankungen für unentbehrlich, da nur durch sie die Gelenkfunktionalität erhalten und/oder verbessert werden kann.

Diverse Therapieoptionen bei Rheuma

  • Mechanische Energie:
    Physiotherapie, Massagen, manuelle Medizin etc.
  • Thermische Energie:
    Thermotherapie (Wärme- und Kältetherapie)
  • Elektrische Energie:
    Elektrotherapie (nieder-, mittel- und hochfrequenter Strom)
  • Elektromagnetische Strahlung:
    Infrarot, Ultraviolett, Magnetfeld
  • Ultraschall
  • Balneologische Verfahren

Physiotherapie

Es existieren hervorragende Studien­ergebnisse zu Bewegungstherapie und Kraftausdauertraining bei RA. Bei der AS ließen sich gute Effekte auf die Beweglichkeit von Wirbelsäule und Thorax nachweisen. Die günstige Wirkung der Physiotherapie bei Cox- und Gonarthrose hinsichtlich Schmerzreduktion, Beweglichkeitsverbesserung und Muskeltrophik ist ebenfalls gut belegt.

Unterwasser­bewegungstherapie

Die Unterwasserbewegungstherapie bewirkte bei fortgeschrittenerer RA physisch-motorische Verbesserungen sowie positive psychische Wirkungen, die bis zu zwei Monate anhielten. Patienten mit Gon- und Coxarthrose erlebten mittelfristig (mind. drei Monate) eine signifikante Linderung der Krankheitssymptome.

Medizinische Trainingstherapie

Mehrere Studien zeigten Vorteile eines dynamischen Trainings hinsichtlich aerober Ausdauer, Muskelkraft und Beweglichkeit. Muskelkräftigungsübungen und Stretching-Übungen erhöhten messbar die Gelenkflexibilität bei Fibromyalgie.

Thermotherapie

Eine Kombination aus Thermotherapie und Bewegungsübungen gilt in der Behandlung der RA als sinnvoll. Für Menschen mit Hüftarthrose bringt die Thermotherapie einen Gewinn in puncto Schmerzen und Funktionalität.

Elektrotherapie

Hydrogalvanische Anwendungen besserten bei RA-Patienten die Alltagsfunktionen, transkutane elektrische Nervenstimulationen linderten Schmerzen und Steifheit an der Hand. Patienten mit Hüft- und Knieverschleiß profitieren bezüglich Funktionseinschränkungen und Schmerzen.

Ganzkörperhyperthermie

Studien belegen positive Effekte serieller Radonstollen-Ganzkörper-Hyperthermie bei RA, AS, Cox- und Gonarthrose hinsichtlich Schmerzen und klinischer Parameter sowie eine Abnahme proinflammatorischer Zytokine. Ähnliche Effekte zeigten sich unter serieller wassergefilterter Infrarot-A-Ganzkörperbestrahlung bei Patienten mit AS oder Psoriasis-Arthritis.

Die Evidenz von physikalischen Therapien, insbesondere der Physiotherapie, liegt mittlerweile auf dem Niveau von pharmakologischen Interventionen und operativen Verfahren. Dennoch hält sich ein Teil der Kollegen weiterhin mit Verodnungen zurück. Die Autoren vermuten, dass manche noch immer nicht wissen, dass Heilmittelverordnungen bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen deutschlandweit seit 2012 extrabudgetär sind. 

Quelle: Lange U, Rehart S. Der Orthopäde 2018; 47: 928-934