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Atherosklerose Rheumatiker-Adern

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Die EULAR spricht sich für eine regelmäßige Ultraschalluntersuchung der A. carotis bei Rheumapatienten aus. Die Pfeile deuten auf atheromatöse Plaque. Die EULAR spricht sich für eine regelmäßige Ultraschalluntersuchung der A. carotis bei Rheumapatienten aus. Die Pfeile deuten auf atheromatöse Plaque. © Science Photo Library/Zephyr
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Eine Atherosklerose taucht nicht über Nacht auf, sondern hat ihre Risikofaktoren. Dass Entzündungen die Blutgefäß­verkalkung fördern, hat sich erst in den letzten Jahren herauskristallisiert. Dazu zählen neben Infektionen auch rheumatische Erkrankungen.

Eine wesentliche Rolle in der Pathogenese der Atherosklerose spielen proinflammatorische Zytokine wie TNF-α und Interleukin-1β, schreiben Dr. Dr. Theresa­ Graalmann­ von der Klinik für Rheumatologie und Immunologie an der Medizinischen Hochschule Hannover und ihre Kolleginnen. Medikamente, die die Erkrankung und diese Botenstoffe in Schach halten sollen, wirken der Gefäßverkalkung entgegen.

Ein monoklonaler Antikörper gegen IL-1β, Canakinumab, hat in einer Studie tatsächlich Herz­infarkte und Schlaganfälle vermeiden können, und zwar unabhängig vom Cholesterinwert (s. Kasten). Ähnliches scheint für TNF-α-Blocker zu gelten, die bei RA leitliniengemäß die ersten anzuwendenden Biologika darstellen. Und zwar verschreibt man sie am besten so früh wie möglich, innerhalb von sechs Monaten nach der Diagnose, raten die Hannoveranerinnen, um die Entzündung rechtzeitig zu bremsen.

Paradox ist, wenn …

... das LDL-Cholesterin im Blut steigt und das Infarktrisiko sinkt. Dieses „Lipidparadoxon“ bedeutet, dass unter Behandlung etwa einer RA mit einem Immunmodulator der Cholesterinwert im Serum zwar zunimmt. Trotzdem treten bei diesen Kranken seltener kardiovaskuläre Probleme auf als nach diesen Blutwerten zu erwarten wäre. Warum das so ist, weiß bisher keiner so genau: Vermutlich geht zunächst die Konzentration des proentzündlichen Zytokins in den Keller, daraufhin kann es die Leber nicht mehr zur Aufnahme von LDL und Cholesterin stimulieren, das dann logischerweise weiter im Blut verbleibt. Diese Patienten sollten aber dennoch Statine erhalten: Das „entsteift“ die Blutgefäße und verhindert, dass sich die typischen Plaques bilden – die, wenn sie aufreißen, für die meisten Gefahren einer Atherosklerose verantwortlich sind.

Kortikosteroide erhöhen das Atheroskleroserisiko

Die European Alliance of Associations for Rheumatology (EULAR) hat Empfehlungen herausgegeben, wie Ärzte ihre Patienten mit chronisch-rheumatischen Erkrankungen kardio­vaskulär am besten überwachen und behandeln. Dazu zählt zum einen die Info des Patienten über sein erhöhtes Risiko, zum andern ein Sono der A. carotis (Intima-Media-Dicke). Außerdem raten sie zu Vorsicht bei Steroiden wie Prednisolon, die immer noch häufig primär bei Autoimmunkrankheiten zum Einsatz kommen. Denn die verstärken genau die Risiken, die zur Atherosklerose führen, wie ­Dia­betes oder Gewichtszunahme. In den ers­ten Jahren geht das vielleicht noch gut – nach zehn Jahren aber leben „überimmune“ Patienten unter Steroiddauertherapie gefährlich, was Herz und Kreislauf angeht.

Quelle: Graalmann T et al. internistische praxis 2021; 64: 27-38

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