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Training trotz Post COVID? Studie stellt strikte Zurückhaltung infrage

Autor: Dr. Anne Benckendorff

Eine Autorengruppe aus England bemängelt, dass die untersuchten Patienten keine Komorbiditäten hatten. Eine Autorengruppe aus England bemängelt, dass die untersuchten Patienten keine Komorbiditäten hatten. © Parradee – stock.adobe.com
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Bisher galt die Devise: Kein Sport für Patienten mit Post-COVID-Syndrom. Das könnte sich bald ändern.

Von Post COVID spricht man, wenn länger als zwölf Wochen nach einer SARS-CoV-2-Infektion Beschwerden auftreten oder fortbestehen. Bislang wird vonseiten der WHO und in natio­nalen Leitlinien empfohlen, dass Patienten mit Post-COVID-­Syndrom auf körperliche Anstrengung verzichten sollen. Grund ist die Sorge, dass sich die Symptome verschlimmern könnten. Doch langfristige Inaktivität geht bekanntlich mit einer generell schlechteren Gesundheit einher.

Patienten waren länger als ein Jahr krankgeschrieben

Ein schwedisches Forscherteam hat in einer prospektiven Studie untersucht, ob körperliches Training für Betroffene mit Post COVID nicht doch möglich ist, und falls ja, welche Übungen sich eignen. Untersucht wurden 31 Betroffene mit Post COVID und 31 nach Alter und Geschlecht gematchte Kontrollpersonen. Das Durchschnittsalter lag bei 47 Jahren, drei Viertel waren Frauen. Die Patienten mit Post COVID hatten im Durchschnitt seit fast zwei Jahren Symptome, drei Viertel von ihnen waren länger als zwölf Monate krankgeschrieben.

Alle Studienteilnehmer wurden umfassend untersucht. Bei den Post-COVID-Betroffenen zeigten sich Veränderungen im Muskelgewebe, Hinweise auf eine orthostatische Intoleranz, eine reduzierte Peak- und submaximale aerobe Kapazität. Die Herzfrequenzvariabilität war verringert, die Herzfrequenz in Ruhe gesteigert, die Arteriensteifigkeit erhöht. Alle Teilnehmer absolvierten randomisiert im Abstand von 2–4 Wochen je ein hochintensives Intervalltraining (HIIT, 5 x 1 Minute Radfahren bei 90 % der maximalen Leistung), ein kontinuierliches Training mittlerer Intensität (MICT, 30 Minuten Radfahren bei 50 % der maximalen Leistung) und Krafttraining (Kreuzheben, Liegestütze und Beinstrecken, 3 x 10 Wiederholungen). Dabei wurden die Symptome vor Beginn der Übungen, direkt im Anschluss sowie 48 Stunden danach erfasst.

Konzentrationseinbußen und mehr Muskelschmerzen

Insgesamt waren die Betroffenen mit Post-COVID-Syndrom weniger fit, verfügten über weniger Muskelkraft und wiesen zu allen Zeitpunkten mehr Symptome auf als die Kontrollpersonen. Ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen hinsichtlich der Verschlechterung der Fatigue 48 Stunden nach dem Training ließ sich aber nicht beobachten. Allerdings gaben die Post-COVID-Betroffenen nach MICT stärkere Einschränkungen der Konzentrationsfähigkeit und nach dem Krafttraining mehr Muskelschmerzen an.

Dr. Andrea Tryfonos, Erstautorin der Studie, resümiert: „Menschen mit Post COVID sollten nicht generell davon abgehalten werden, Sport zu treiben. Stattdessen sollten sie dazu ermutigt werden, unter Aufsicht auf angemessenem Niveau mit Übungen zu beginnen, die ihnen Spaß machen, und dann die Intensität langsam zu steigern.“

Eine Autorengruppe aus England bemängelt, dass die untersuchten Patienten keine Komorbiditäten hatten. Zudem müssten die Ergebnisse in longitudinalen Studien mit einem Training über längere Zeit reproduziert werden.

Quellen:
1. Tryfonos A et al. JAMA Netw Open 2024; 7: e244386; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2024.4386
2. Ladlow P et al. JAMA Netw Open 2024; 7: e246959; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2024.6959