Studie untersucht Effekte eines hybriden Closed-Loop

Autor: Antje Thiel

Die Studie zeigt erstmals den Nutzen eines Closed-Loop-Systems unter normalen Alltagsbedingungen ohne externes Monitoring. © iStock.com/MarkHatfield

Es war eines der Hauptgesprächsthemen bei der diesjährigen Jahrestagung der EASD: die randomisierte kontrollierte Multicenter-Studie des Teams um den Kinderdiabetologen Dr. Martin Tauschmann, Universität Cambridge, zu den Effekten eines Closed-Loop-Systems.

An der Studie nahmen 86 Menschen mit Typ-1-Diabetes im Alter von mindestens sechs Jahren teil, deren Stoffwechsellage trotz Insulinpumpentherapie noch verbesserungswürdig war. Bei allen Patienten war die Diagnose mindestens ein Jahr her, außerdem nutzten alle seit mindestens drei Monaten eine Insulinpumpe. Allerdings hatte keiner der Probanden zuvor Erfahrung mit einem rtCGM-System; dies war – ebenso wie eine manifeste Hypoglyk­ämie-Wahrnehmungsstörung – ein klares Ausschlusskriterium.

Der HbA1c-Wert der Probanden lag bei Studienbeginn zwischen 7,5–10 %, und nur 52 % ihrer Blutzuckerwerte waren im Zielbereich 3,9–10,0 mmol/L (bzw. 70–180 mg/dL) angesiedelt. Die Teilnehmer bekamen für den Studienzeitraum eine Insulinpumpe und ein rtCGM-System mit entsprechenden Sensoren, mit dessen Umgang sie geschult wurden.

Gewebezucker vs. Blutzucker

Da der Sensor von CGM-Geräten im Unterhautfettgewebe liegt, wird der Glukosewert in der interstitiellen Flüssigkeit bestimmt. Man spricht von Gewebezucker. Bei einem stabilen Blutzucker, stimmt der Gewebezucker gut mit dem Blutzucker überein. Steigt der Blutzucker aber rasch an oder fällt rasch ab, wird dies im Gewebezucker mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung (ca. 5–25 Minuten) angezeigt, daher arbeiten CGM-Geräte mit Trendpfeilen.

Insulinpumpe per Smartphone-App gesteuert

In der Closed-Loop-Gruppe erhielten die Probanden zusätzlich ein Smartphone mit einer eigens entwickelten App, die über einen prädiktiven Kontrollalgorithmus die Insulinpumpe steuerte. Der Algorithmus berechnete alle zehn Minuten auf Basis des gemessenen Glukosewertes die aktuell erforderliche Basalrate. Der Zielbereich des Algorithmus war auf 5,8–7,3 mmol/L (105–132 mg/dL) eingestellt. Primärer Endpunkt der Studie war die Dauer, in der sich die Glukosewerte im definierten sicheren Zielbereich befanden. Während des Studienzeitraums von insgesamt zwölf Wochen, nach einer vierwöchigen Einlaufphase, gingen die Probanden ihrem gewohnten Alltag nach. Sie lebten zu Hause, aßen ihre eigenen Lebensmittel und praktizierten selbstgewählte Aktivitäten. Entscheidungen bezüglich ihres Dia­betesmanagements trafen sie ebenfalls eigenständig. Sie wurden nach zwei Wochen und danach alle vier Wochen telefonisch befragt. Darüber hinaus konnten sie bei Fragen auf eine 24h-Hotline zugreifen. Ihr HbA1c wurde jeweils bei Studienbeginn und am Studienende bestimmt.

Bessere Blutzucker-Kontrolle über den gesamten Tag

In der Closed-Loop-Gruppe verbesserte sich die Zeit im Zielbereich über den gesamten Tagesverlauf von 52 auf 65 %, in der Kontrollgruppe gab es hingegen nur eine Verbesserung von 52 auf 54 %. Besonders auffällig war die Entwicklung bei zwei Teil-Parametern. So erreichte die Closed-Loop-Gruppe nachts zu 77 % Glukosewerte im Zielbereich, die Kontrollgruppe hingegen nur 56 %. Außerdem gab es in der Closed-Loop-Gruppe weniger Hyperglykämien: Während beide Gruppen bei Studienbeginn noch in 44 % der Zeit Glukosewerte über 10,0 mmol/L (180 mg/dL) aufwiesen, sank dieser Anteil in der Studiengruppe auf 32 % (Kontrollgruppe unwesentlich verändert bei 42 %). Zu der geringeren Rate an Hyperglykämien passte auch die Beobachtung, dass sich der Gesamtinsulinverbrauch in der Studiengruppe von im Schnitt 0,75 auf 0,81 IE pro kg/KG steigerte, während er sich in der Kontrollgruppe nur unwesentlich erhöhte.

Der Anstieg in der Closed-Loop-Gruppe war vor allem der vermehrten Abgabe von Basalinsulin geschuldet (Anstieg von 0,32 IE auf 0,46 IE), wohingegen die abgegebene Menge Basalinsulin sich in der Kontrollgruppe kaum veränderte (von 0,31 zu 0,32 IE).

Benefit unter normalen Alltagsbedingungen

Die Autoren betonen, dass die Studie erstmals den Nutzen eines Closed-Loop-Systems unter normalen Alltagsbedingungen ohne externes Monitoring zeigt. Die verbesserte Stoffwechseleinstellung war demnach ausschließlich auf den Closed-Loop und nicht etwa auf intensivere Schulung oder Begleitung im Rahmen des Studienprotokolls zurückzuführen. 

Quelle: Tauschmann M et al. Lancet 2018; 392: 1321-1329