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Terminale Niereninsuffizienz: Vorhersagemodell erleichtert Frühdiagnosen und klinische Entscheidungen

Autor: Dr. Judith Lorenz

Das individuelle Risiko bei Typ-1-Diabetes besser abschätzen können. Das individuelle Risiko bei Typ-1-Diabetes besser abschätzen können. © iStock/Jakovo
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Trotz moderner Therapie­optionen ist das chronische Nieren­versagen nach wie vor eine gefürchtete Komplikation des Typ-1-Diabetes, da es mit einer hohen Mortalität einhergeht. Dänische Forscher haben nun ein Prädiktionsmodell für diese lebensbedrohliche Erkrankung ent­wickelt und validiert.

Da die terminale Niereninsuffizienz durch eine intensive Blutzucker- und Blutdruckkontrolle verhindert oder zumindest hinausgezögert werden kann, ist eine frühzeitige Diagnose sehr wichtig, erläutern die Wissenschaftler um Dr. Dorte­ Vistisen­ vom Steno Dia­betes Center Kopenhagen in Gentofte. Um das individuelle nephrologische Risiko von Menschen mit Typ-1-Diabetes besser einschätzen zu können, entwickelten die Forschenden ein für diesen Dia­betestyp spezifisches Vorhersagemodell. Dabei berücksichtigten sie, dass das Risiko einer Person für eine terminale Niereninsuffizienz auch von der Gesamtmortalität abhängt, da ein Teil der Patienten stirbt, bevor es zur renalen Komplikation kommt.

Eingeschlossen wurden 5460 Erwachsene mit Typ-1-Diabetes, die bei ihrer Erstvorstellung am Steno Diabetes Center Kopenhagen noch keine terminale Niereninsuffizienz aufwiesen. Für alle lagen umfangreiche klinische Informationen aus fast 43 000 Betreuungsterminen vor. Das entwickelte Vorhersagemodell validierten die Wissenschaftler anschließend an zwei unabhängigen Kollektiven dänischer (n = 3150) und schottischer (n = 6025) Patienten.

14 % starben infolge einer nicht-renalen Ursache

Während einer medianen Nachbeobachtung von 10,4 Jahren kam es bei 303 der Patienten (5,5 %) zu einer terminalen Niereninsuffizienz. 764 Personen bzw. 14,0 % starben aufgrund einer nicht renal bedingten Ursache, bevor sich eine terminale Niereninsuffizienz entwickeln konnte. Die Inzidenzrate der Komplikation betrug 5,7 pro 1000 Personenjahre.

In das Prädiktionsmodell flossen folgende Parameter ein: Alter, Geschlecht, Diabetesdauer, geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR), Mikro- und Makroalbuminurie, systolischer Blutdruck, HbA1c-Wert, Rauchstatus sowie vorbestehende kardiovaskuläre Erkrankungen. In der Studienkohorte ermöglichte dieses Modell eine „exzellente und robuste Unterscheidung“ im Hinblick auf das Fünfjahresrisiko einer terminalen Niereninsuffizienz, schrei­ben die Autoren.

Personen der dänischen sowie der schottischen Validierungskohorten unterschieden sich von den Studienpatienten in einigen wichtigen Punkten, unter anderem dem Alter bei der Diabetesdiagnose, der Dia­betesdauer, der Häufigkeit einer Ma­kroalbuminurie bzw. einer schweren Retinopathie, dem Rauchen oder der Behandlung mit RAS-Hemmern bzw. Lipidsenkern.

Notwendige Informationen werden routinemäßig erfasst

Die Inzidenzrate der terminalen Niereninsuffizienz in den Validierungskollektiven betrug 4,9 bzw. 2,4 pro 1000 Personenjahre. Auch bei ihnen bestätigte sich die exzellente prädiktive Performance des Vorhersagemodells.

Mithilfe des vorgestellten Modells, so das Fazit der Forschenden, könne das individuelle Risiko von Menschen mit Typ-1-Diabetes, innerhalb der folgenden fünf Jahre eine terminale Niereninsuffizienz zu entwickeln, sehr genau vorhergesagt werden. Alle hierfür notwendigen Informationen werden bereits im klinischen Alltag routinemäßig erhoben. Die Autoren hoffen nun, dass das Prädiktionsmodell dabei hilft, Frühdia­gnosen zu ermöglichen und klinische Entscheidungen zu erleichtern.

Quelle: Vistisen D et al. Diabetes Care 2021; 44: 901-907; DOI: 10.2337/dc20-2586

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