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Weltwassertag Trinkt mein Patient genug?

Autor: Bianca Lorenz

Nicht immer kann man sich beim Trinken auf sein Durstgefühl verlassen. Nicht immer kann man sich beim Trinken auf sein Durstgefühl verlassen. © sebra – stock.adobe.com
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Ohne Wasser läuft im Körper nichts. Doch die Deutschen sind bekannte Trinkmuffel. Woran kann man sie erkennen? Wer sollte lieber weniger trinken? Und reicht Durst als Signalgeber immer aus?

Stoffwechsel, Verdauung, Blutdruck – all das hängt auch mit dem Wasserpegel im Organismus zusammen. Der variiert je nach körperlicher Aktivität, Schwangerschaft und klimatischen Bedingungen. Aber im Durchschnitt sollte jeder Erwachsene eineinhalb bis zwei Liter Flüssigkeit pro Tag zu sich nehmen – ohne Alkohol gerechnet.

Körper und Krankheiten berücksichtigen

Es gibt aber auch individuelle Faktoren, die den täglichen Flüssigkeitsbedarf beeinflussen. Dazu gehören Körpergewicht, Alter, Gesundheitszustand und physische Belastung. Aber auch Grunderkrankungen spielen eine Rolle. Patienten mit Diabetes, Gicht oder Herzschwäche sollten besonders gut auf eine angemessene Trinkmenge achten, rät die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) anlässlich des Weltwassertags am 22. März.

Eine zu geringe wie auch eine zu hohe Flüssigkeitszufuhr können – je nach Gesundheitszustand – gleichermaßen schädlich sein, warnen die Experten der Fachgesellschaft. Auch deshalb möchte sie auf ihrem Kongress Ende April 2022 in Wiesbaden das dort derzeit gefeierte „Jahr des Wassers“ aufgreifen.

Der große Wasserkreislauf

Der menschliche Körper besteht zu rund 70 Prozent aus Wasser, das Blut sogar zu über 90 Prozent. Aufwändige Regelmechanismen sorgen dafür, dass diese Werte auch bei wechselnden Temperaturen und unterschiedlichen körperlichen Belastungen weitgehend konstant bleiben. Die produzierte Harnmenge – erkennbar am Harndrang – und das Durstgefühl sagen viel darüber aus, wie es um den Wasserhaushalt im Körper bestellt ist. „Bei gesunden Menschen spricht nichts dagegen, sich im Großen und Ganzen auf das Durstgefühl zu verlassen“, sagt der Gastroenterologe und DGIM-Vorsitzende Prof. Dr. med. Markus M. Lerch.

So ergeben sich meist von selbst Trinkmengen von eineinhalb bis zwei Litern täglich – wobei feuchte Nahrungsmittel wie Suppen, Obst und Gemüse durchaus mitgerechnet werden dürfen, erläutert Lerch, der zugleich Ärztlicher Direktor am LMU Klinikum München ist.

Ältere haben weniger Durst

Einige Faktoren können jedoch dafür sorgen, dass auf den Durst als Ratgeber nicht mehr uneingeschränkt Verlass ist. Einer davon ist das Alter. „Bei älteren Menschen lässt das Durstempfinden deutlich nach“, so Lerch. Ältere blieben daher oft unter der Zielmarke von eineinhalb Litern und sollten sich ab und zu bewusst ein Glas Wasser einschenken.

Auch Menschen mit Diabetes wird eher zu einer leicht erhöhten Trinkmenge geraten, um die Zuckerausscheidung über die Niere zu unterstützen. Und nicht zuletzt sollten Menschen, die Medikamente zur Entwässerung einnehmen und daher besonders viel Harn bilden, auf eine ausreichende Trinkmenge achten.

Signale des Mangels

Warnzeichen für einen Flüssigkeitsmangel ist dunkler Urin, der konzentriert und in geringerer Menge ausgeschieden wird. Auch fester Stuhlgang und eine Verstopfung können darauf hindeuten. „Gerade an heißen Tagen kann sich der Flüssigkeitsmangel verschärfen und kritisch werden, was sich durch Herzrasen, Verwirrtheit und Kreislaufschwäche bis hin zur Ohnmacht äußert“, erklärt Prof. Dr. med. Georg Ertl, Internist, Kardiologe und Generalsekretär der DGIM. Unter Dehydrierung leiden auch die Nieren, im schlimmsten Fall kommt es zum akuten Nierenversagen.

Trinkmengen individuell anpassen

Lebt man also umso gesünder, je mehr man trinkt? „Diesen Umkehrschluss darf man nicht ziehen“, mahnt DGIM-Experte Ertl. Bei gewissen Krankheiten können große Trinkmengen sogar schädlich sein. „Das ist etwa bei Patienten mit fortgeschrittener Herzschwäche der Fall, bei denen zu viel Flüssigkeit das Herz über Gebühr belastet“, so Kardiologe Ertl. Auch Nierenerkrankungen wie die chronische Niereninsuffizienz können es erforderlich machen, die Trinkmenge zu verringern.

Der Flüssigkeitshaushalt ist zudem untrennbar verwoben mit dem Mineralhaushalt des Körpers. Patienten, die zu viel trinken, riskieren unter Umständen einen Mangel an Elektrolyten. Diese Gefahr besteht besonders dann, wenn gleichzeitig wenig oder gar nichts gegessen wird – wie es bei manchen Fastenkuren oder bei einer Essstörung der Fall sein kann. „Auch Sportler oder Menschen, die körperlich arbeiten und mit dem Schweiß viele Elektrolyte verlieren, können ihren Mineralhaushalt durch große Trinkmengen in Schieflage bringen“, sagt Ertl. Sie sollten ihren Durst dann lieber mit einer Saftschorle oder einem alkoholfreien Bier statt mit Leitungswasser stillen.

Quelle: Pressemitteilung der DGIM

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