Unterschätzte Lipoproteinämie (a)?

Autor: Dr. Anja Braunwarth

Um Patienten mit hohem Risiko besser zu entdecken, sollte der Grenzwert niedriger angesetzt werden. Um Patienten mit hohem Risiko besser zu entdecken, sollte der Grenzwert niedriger angesetzt werden. © iStock/Shidlovski

Das LDL als Risikomarker hat wohl inzwischen jeder auf dem Schirm. Kollegen aus Bad Oeyhausen mahnen nun, auch dem Lipoprotein (a) Aufmerksamkeit zu schenken.

Einmal im Leben testen und nur bei extremen Werten weiterverfolgen – so lauten die Empfehlungen der ESC** zur Messung des Lipoprotein (a). Die Grenze von 180 mg/dl scheint einem Team vom Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen, zu hoch angesetzt. Schließlich weiß man, dass der Anstieg proportional mit dem Risiko, früh eine schwere KHK zu entwickeln, assoziiert ist.

Die Ärzte prüften deshalb die Lp (a)-Konzentrationen an einem Kollektiv von knapp 53 000 Patienten aus dem eigenen Zentrum. Bei 0,4 % der Teilnehmer lagen die Spiegel über 180 mg/dl, sie hatten mittlere LDL-Werte von 143,7 mg/dl. 15,2 % wiesen Lp (a)-Spiegel über 60 mg/dl auf (Mittelwert 93,7 mg/dl), vergesellschaftet mit einem mittleren LDL von 127 mg/dl.

Folgt man der ESC-Empfehlung und untersucht nur Patienten mit extrem hohen Werten weiter, dürfte das dazu führen, die Zahl von gefährdeten Patienten zu unterschätzen, so das Fazit der Kardiologen. Anhand ihrer Real-World-Daten schlagen sie vor, die Grenze auf > 60 mg/dl zu senken, um diejenigen mit hohem Risiko rechtzeitig zu identifizieren.

*Abstract-Veröffentlichung
**European Society of Cardiology

Quelle: Gottfried R et al. Clin Res Cardiol 2020; 109; Suppl 1: V1797; DOI: 10.1007/s00392-020-01621-0