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Diabetes im Straßenverkehr Viele bemerken Unterzucker oft nicht

Autor: Maria Weiß

Gefährlich kann Hypoglykämie werden, wenn die Wahrnehmung der Betroffenen eingeschränkt ist und diese am Straßenverkehr teilnehmen. Gefährlich kann Hypoglykämie werden, wenn die Wahrnehmung der Betroffenen eingeschränkt ist und diese am Straßenverkehr teilnehmen. © iStock/Rike_
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Jeder Fünfte mit Diabetes, der einen Führerschein besitzt, hat eine eingeschränkte Hypoglykämie-Wahrnehmung.

Hypoglykämien sind eine regelmäßige Komplikation bei Diabetes. Gefährlich können diese Situationen vor allem dann werden, wenn die Hypoglykämie-Wahrnehmung der Betroffenen eingeschränkt ist und diese am Straßenverkehr teilnehmen.

Wissenschaftler haben untersucht, wie hoch dieses Risiko im Alltag tatsächlich ausfällt. Eingeschlossen in die Untersuchung waren 4.262 Erwachsene aus Großbritannien mit einem Diabetes mellitus (96 % Typ 1). Die Studienteilnehmer nutzen zur Kontrolle des Blutzuckerspiegels ein Flash-Glukose-Messsystem.

Wahrnehmung bei jedem Fünften eingeschränkt

Gut drei Viertel der Kohorte verfügte über eine Fahrerlaubnis – meist für PKW und Motorrad. 25 von ihnen durften auch Lastwagen und Busse lenken, drei hatten eine Taxi-Lizenz. Rund 1.000 Studienteilnehmer besaßen keinen Führerschein.

Die Wissenschaftler werteten die Daten der vergangenen zwölf Monate zum HbA1c, zu schweren Hypoglykämien und zum sogenannten Gold-Score* aus. Mittels dieser Skala schätzen Betroffene ihre Hypoglykämie-Wahrnehmung subjektiv ein. Von den 2.849 Personen mit Fahrerlaubnis hatten nach eigenen Angaben 21,8 % eine eingeschränkte Hypoglykämiewahrnehmung. Komplett unfähig, eine Unterzuckerung zu bemerken, waren laut Selbsteinschätzung aber nur 41 der Führerscheinbesitzer. Aus der Gruppe der LKW- und Buslenker war von diesem kompletten Verlust der Wahrnehmung kein einziger betroffen. Allerdings verfügten auch in dieser Gruppe lediglich 73 % über eine uneingeschränkte Hypogykämie-Wahrnehmung.

Diabetiker mit Führerschein waren im Mittel etwas älter und häufiger männlich (54 % vs. 44 %) als solche ohne das Dokument. Die Krankheitsdauer war im Vergleich zu Nicht-Fahrern kürzer, HbA1c und Gold-Score lagen niedriger. Die Rate an schweren Hypoglykämien war bei Personen ohne Fahrerlaubnis deutlich höher als bei denen mit einer PKW- oder Motorrad-Lizenz (19 % vs. 8 %) oder Menschen, die zum Führen von LKW oder Bussen berechtigt waren (3 %).

* Die Skala des Gold Questionnaire reicht von 1 „eine Unterzuckerung wird stets rechtzeitig bemerkt“ bis 7 „Beginn der Hypoglykämie wird niemals wahrgenommen“.

Quelle: Deshmukh H et al. Diabetes Care 2021; 44: e190-e191; DOI: 10.2337/dc21-1181

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