Was können Hafertage bei Insulinresistenz bewirken?

Autor: Dr. Judith Besseling

Eine Haferkur senkt zwar den Insulinbedarf, die besten Effekte zaubert aber eine hypokalorische Kost. © Fotolia/Rostislav Sedlacek

Die einen schwören darauf, die anderen verteufeln sie: Hafertage sind seit Langem ein kontrovers diskutiertes Mittel, um die Insulinresis­tenz zu durchbrechen. Was sagt die Wissenschaft dazu?

Hafertage haben vor allem einen Zweck: das Insulin wieder wirksam zu machen. Dass Diabetes­patienten damit behandelt werden könnten, beschrieb schon Carl von Noorden vor gut hundert Jahren, erinnerte Professor Dr. Johannes Erdmann von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Weidenbach.

Reich an Beta-Glucan

Das Polysaccharid erhöht bei ausreichend zugeführter Menge die Viskosität des Nahrungsbreis und verzögert so u.a. den Abbau von Kohlenhydraten zu Glukose.

Dem Hafer werden einige positive Eigenschaften zugesprochen. Darunter finden sich auch eine gute und lang anhaltende Sättigung sowie eine verlangsamte Resorption von Kohlenhydraten. Zudem enthält dieses Getreide besonders viel Beta-Glucan, was die Cholesterinkonzentration senken soll. Allerdings setzt dieser Effekt erst ab einer Aufnahme von mehr als 3 g Beta-Glucan pro Tag ein, gab der Ernährungsmediziner zu bedenken.

Zweiwöchige Kur senkt den Zucker von 158 auf 115 mg/dl

Allgemein gebe es nur sehr wenige Studien, die sich mit dem Behandlungskonzept der Haferkuren beschäftigen. Prof. Erdmann präsentierte die Ergebnisse einer unkontrollierten Pilotstudie aus dem Jahr 2008, in der eine Kurzzeitintervention bei 14 adipösen Typ-2-Diabetespatienten getestet wurde. Über zwei Tage nahmen die Patienten 15 Kohlenhydrateinheiten Hafer zu sich, was einer Energiezufuhr von 1100 kcal entspricht.

Das Ergebnis: Die mittlere Glukosekonzentration im Blut sank von 158 mg/dl vor der Intervention auf 115 mg/dl danach (p < 0,05). Vier Wochen später war der Wert wieder auf im Mittel 141 mg/dl angestiegen. Darüber hinaus konnte die Insulindosis von gemittelt 145 auf 83 Insulineinheiten/Tag direkt und vier Wochen nach der Intervention gesenkt werden (p < 0,001).

Wie gelingt die Ernährungsumstellung?

Laut Prof. Erdmann ist das Ziel einer erfolgreichen Ernährungsumstellung zwar eine reduzierte Kalorienaufnahme. Zusätzlich müssen jedoch die folgenden Faktoren berücksichtigt werden:

  • individuelle Essgewohnheiten
  • geschmackliche Vorlieben
  • Sättigung
  • Frust- und Stresskompensation
  • allgemeine Lebensqualität

Auch die sogenannten Kohlen­hy­drat­tage und Formuladiäten haben diesen – mehr oder weniger lang anhaltenden – Effekt. „Das Positive an den Diäten ist die Leberentfettung“, so der Experte. Denn dadurch könne sich die Betazell-Funktion normalisieren und die Insulindosis gesenkt werden.

Diese verschiedenen Diätformen basieren alle auf einer hypokalorischen Kost. Und genau dieser Punkt ist ausschlaggebend, ist Prof. Erdmann überzeugt. Denn seiner Meinung nach ist es in erster Linie wichtig, ein ernährungstherapeutisches Konzept zu erarbeiten, um eine dauerhafte Gewichtsreduktion zu erzielen. Hafertage seien dafür nicht unbedingt die beste Wahl.

Quelle: Diabetes Herbsttagung 2018/Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft 2018