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Westliche Ernährungsweise scheint frühen Darmkrebs zu begünstigen

Autor: Dr. Moyo Grebbin

Lieber ein Steak statt Gemüse – so sieht die westliche Ernährung aus. Lieber ein Steak statt Gemüse – so sieht die westliche Ernährung aus. © karepa – stock.adobe.com
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Während Inzidenz und Mortalität kolo­rektaler Karzinome in vielen Ländern mit hohem Einkommen insgesamt stabil sind oder sinken, steigt gleichzeitig die Zahl der Diagnosen im Erwachsenenalter unter 50 Jahren. Als Ursache vermuten Forscher den westlichen Ernährungsstil.

Um den Einfluss der Essgewohnheiten auf die frühe Darmkrebsentstehung zu untersuchen, bestimmten US-amerikanische Wissenschaftler um Dr. Xiaobin­ ­Zheng­ von der Washington University in St. Louis die Häufigkeit kolorektaler Adenome in Abhängigkeit von der Ernährungsweise. Im Rahmen einer prospektiven Kohortenstudie analysierte das Team dazu regelmäßig das Essverhalten von knapp 29 500 Frauen über einen Zeitraum von 20 Jahren.1

Gegenläufige Inzidenzen

In den Jahren 1975 bis 2015 sank die Inzidenz und Mortalität kolorektaler Karzinome in den USA um 37 % bzw. 50 %.2 Zwischen 1988 und 2015 erhöhte sich gleichzeitig die alterskorrigierte Rate früher Darmkrebserkrankungen von 7,9 auf 12,9 Fälle pro 100 000 Einwohner – das entspricht einem Anstieg um 63 %. Ähnliche Trends beobachten Forscher auch etwa in Australien, Kanada, Deutschland oder Schweden.

Starke Korrelation für distalen und rektalen Darmkrebs

Die Forscher unterschieden zwischen fünf verschiedenen Gruppen:
  • einer westlichen Ernährung,
  • einem bewussten, umsichtigen Essverhalten,
  • einer Diät gemäß Empfehlung gegen Bluthochdruck,
  • einer mediterranen Kost und
  • Ernährung nach AHEI-2010*.
Insgesamt wurden bei den Teilnehmerinnen, die alle unter 50 Jahre alt waren, 1157 Adenome diagnostiziert. Die westliche Kost korrelierte dabei positiv, alle anderen Ernährungsformen invers mit dem Risiko. So betrug die Odds Ratio höchstes vs. niedrigstes Quintil für das westliche Essverhalten 1,38. Für die anderen Diäten lag sie zwischen 0,8 (mediterrane Kost) und 0,85 (AHEI-2010). Besonders deutlich fiel die Korrelation für Darmkrebs dis­talen und rektalen Ursprungs sowie für Hochrisikotumoren aus, von denen die Autoren insgesamt 375 detektierten. „Diese Zusammenhänge sind bio­logisch definitiv plausibel“, schreiben die drei Editorialisten um Dr. Neil­ ­Murphy von der Internationalen Agentur für Krebsforschung in Lyon, einer auf Krebs spezialisierten Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation.2 Denn eine westliche Kost enthalte bspw. mehr rotes und verabeitetes Fleisch und nur wenig Obst und Gemüse. Zudem könne ein schlechtes Essverhalten zu Fettleibigkeit führen. Beides begünstige Probleme mit dem Stoffwechsel, chronische Entzündungen sowie eine Dysbiose der Darm­flora – Faktoren, die ebenfalls ein prokarzinogenes Milieu in Kolon und Rektum fördern. Autoren und Kommentatoren sind sich in ihrem Fazit daher einig: Die Ergebnisse sprechen für den wichtigen Einfluss der Ernährung auf die frühe Darmkrebsmanifestation.

* Alternative Healthy Eating Index-2010

Quellen:
1. Zheng X et al. J Natl Cancer Inst 2020; DOI: 10.1093/jnci/djaa164
2. Murphy N et al. A.a.O. DOI: 10.1093/jnci/djaa165

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