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Fitte Senioren können von regelmäßigem Darmkrebsscreening profitieren

Autor: Dr. Judith Lorenz

Die Darmkrebsfrüherkennung senkte im Alter über 75 Jahren sowohl die Inzidenz kolorektaler Karzinome, als auch das Sterberisiko an einem solchen. Die Darmkrebsfrüherkennung senkte im Alter über 75 Jahren sowohl die Inzidenz kolorektaler Karzinome, als auch das Sterberisiko an einem solchen. © iStock/Elena KHarchenko
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Höheres Alter ist kein Grund, die endoskopische Darmkrebsfrüherkennung einzustellen: Insbesondere Herz-Kreislauf-gesunde Senioren über 75 Jahre profitieren hinsichtlich der Tumorinzidenz und des Sterberisikos von einer regelmäßigen Screeningteilnahme.

Die meisten internationalen Leitlinien sind sich darüber einig, dass das endoskopische Screening auf kolorektale Karzinome mit 50 Jahren begonnen werden sollte. Ab welchem Alter auf regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen verzichtet werden kann, ist dagegen unklar, berichten US-Forscher um Wenjie Ma vom Massachusetts General Hospital der Harvard Medical School in Boston.

Sie haben zwei große prospektive Kohortenstudien ausgewertet, die Nurses’ Health Study und die Health Professionals Follow-up Study. Die Forscher analysierten die Daten von mehr als 56 000 Studienteilnehmern, die während des Follow-ups ein Alter von mindestens 75 Jahren erreicht hatten.

40 % geringeres Risiko für kolorektale Karzinome

Unabhängig davon, ob die Senioren bereits in jüngeren Jahren eine endoskopische Darmkrebsfrüherkennung in Anspruch genommen hatten, senkte die Screeningteilnahme im Alter über 75 Jahren (Sigmoidoskopie bzw. Koloskopie) sowohl die Inzidenz kolorektaler Karzinome – insbesondere des distalen Kolon- und des Rektumkarzinoms – als auch das Risiko, an einem solchen Tumor zu sterben, um rund 40 %.

Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder mindestens drei Komorbiditäten (z.B. kardiovaskuläre Erkrankungen, Hypertonie, Diabetes) hatten allerdings keinen wesentlichen Überlebensvorteil durch die Untersuchungen. Auch im Alter über 75 Jahre ist ein endoskopisches Darmkrebsscreening sinnvoll, sofern es der allgemeine Gesundheitszustand der Senioren erlaubt, so der abschließende Appell der Wissenschaftler.

Lebensqualität versus -quantität

Die Editorialisten um Professor Dr. Nirmala Bhoo-Pathy von der Universität Kuala Lumpur in Malaysia haben diesbezüglich Vorbehalte: Sie betonen die erheblichen Belastungen durch das Endoskopiescreening im höheren Alter. Beispielsweise wird die für den invasiven Eingriff erforderliche Darmvorbereitung von vielen Senioren schlecht vertragen und kann zu Dehydrierung, Volumenmangel, Nierenversagen und Elektrolytverschiebungen führen.

Ferner geben sie zu bedenken, dass ältere Menschen andere Prioritäten bei Gesundheitsentscheidungen setzen: Angesichts des näher rückenden Lebensendes ist vielen Senioren eine gute Lebensqualität wichtiger als die Verlängerung des Lebens, wenn dafür möglicherweise belastende Tumorbehandlungen in Kauf genommen werden müssen. Ob ein Endoskopiescreening nach dem Alter von 75 Jahren sinnvoll ist, muss im Einzelfall entschieden werden, so das Fazit der Experten. Außerdem sollte wissenschaftlich untersucht werden, ob nicht-invasive immunchemische Stuhltests im höheren Alter eine angemessene Screeningalternative darstellen könnten.

Quellen:
1. Ma W et al. JAMA Oncol 2021; DOI: 10.1001/jamaoncol.2021.1364
2. Bhoo-Pathy N et al. A.a.O.; DOI: 10.1001/jamaoncol.2021.1119

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