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Zwangsstörungen erhöhen Schlaganfallrisiko im Alter

Autor: Maria Weiß

Die zwanghaften Handlungen wie ständiges Putzen und Waschen können langfristig Kopfzerbrechen bereiten. Die zwanghaften Handlungen wie ständiges Putzen und Waschen können langfristig Kopfzerbrechen bereiten. © iStock/Prostock-Studio
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Bei Patienten mit Zwangsstörungen sollte man kardiovaskuläre Risikofaktoren besonders im Auge behalten. Ihr Risiko für einen ischämischen Schlaganfall scheint um den Faktor 3 höher als in der Normalbevölkerung.

Ausgeprägte Zwangsstörungen wie Wasch- oder Kontrollzwang können Alltagsaktivitäten und soziale Interaktionen stark beeinträchtigen. Gefahr droht aber auch von anderer Seite, wie eine Kohortenstudie aus Taiwan jetzt gezeigt hat. Dr. Mu-Hong Chen vom Chung Gung Memorial Hospital in Taiwan und seine Kollegen nutzten ein großes Krankenkassenregister und verglichen die darin enthaltenen Daten von 28 064 Patienten mit Zwangsstörungen mit denen von ebenso vielen Erwachsenen ohne die psychische Erkrankung. Das mittlere Alter der Teilnehmer bei Diagnose war 37 Jahre, die Nachbeobachtungszeit lag im Mittel bei elf Jahren.

Erwachsene mit Zwangsstörungen hatten im Vergleich zur Kontrollgruppe ein dreimal höheres Risiko für einen thromboembolischen Schlaganfall. Besonders gefährdet waren ältere Menschen über 60 Jahre. Das mittlere Alter beim Auftreten des Schlaganfalls lag bei beiden Gruppen um die 63 Jahre. Ein erhöhtes Risiko für hämorrhagische Schlaganfälle bestand dagegen nicht.

Auch nach Berücksichtigung von typischen Risikofaktoren für einen ischämischen Schlaganfall wie Adipositas, Hypertonie, Hypercholesterinämie und Diabetes erwies sich die Zwangsstörung als unabhängiger Risikofaktor für den ischämischen Schlaganfall. Die Medikamente zur Behandlung der Zwangsstörungen spielten bei der Erhöhung des Risikos offensichtlich keine Rolle – weder in der Kurz- noch in der Langzeittherapie. Den Einfluss von psychiatrischen Komorbiditäten wie Schizophrenie oder Depressionen konnten die Autoren durch die gematchten Kontrollen weitgehend ausschließen.

Durchblutungsstörungen durch Inflammation denkbar

Bisher war lediglich bekannt, dass Zwangsstörungen gehäuft als Folge eines Schlaganfalls auftreten, schreiben die Autoren. Einiges weist darauf hin, dass bei Zwangsstörungen eine systemische Inflammation vorliegt, die das Risiko für zerebrale Durchblutungsstörungen erhöhen könnte.

Einschränkend räumen die Autoren aber ein, dass sich durch die Beobachtungsstudie keine Kausalität beweisen lässt. Trotzdem kann es sich lohnen, Patienten mit Zwangsstörungen einen gesunden Lebensstil mit Vermeidung zusätzlicher kardiovaskulärer Risikofaktoren nahezulegen.

Quelle: Chen MH et al. Stroke 2021; DOI: 10.1161/STROKEAHA.120.032995

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