Antibiotika beeinträchtigen die Krebstherapie

Autor: Dr. Judith Lorenz

Gleichzeitig Darmprobleme und Tumor zu behandeln wird schwierig. © iStock/Andrii Zastrozhnov

Antibiotika reduzieren möglicherweise die Wirksamkeit von Checkpoint-Inhibitoren. Das könnte erklären, warum die Behandlung nicht bei allen Patienten gleich gut wirkt.

Unter Immuncheckpoint-Inhibitoren versteht man monoklonale Antikörper, welche die T-Zell-vermittelte Tumorabwehr aktivieren. Inzwischen sind zahlreiche Präparate zur Behandlung maligner Erkrankungen zugelassen. Unklar ist aber, warum nur ein Teil der Patienten gut auf die Therapie anspricht.

Vermutlich spielt die Darmflora bei der Immunabwehr entarteter Zellen eine wichtige Rolle, erläutern Dr. David J. ­Pinato vom Department of Surgery and Cancer am Imperial College London und Kollegen. Sie untersuchten, inwiefern vor bzw. während der Behandlung verabreichte Breitspektrumantibiotika die therapeutische Effektivität der Antikörper beeinflussen. An der Multicenterstudie nahmen 196 Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom, Melanom oder anderen Tumoren teil.

Während eine begleitende antibiotische Behandlung sich nicht auf die Prognose auswirkte, sanken die Überlebenschancen der Patienten deutlich, wenn sie bis zu 30 Tage vor der Checkpoint-Inhibitor-Therapie Antibiotika erhalten hatten. Ferner verschlechterte sich bei antibiotischer Vorbehandlung das Therapieansprechen und die Wahrscheinlichkeit für einen Krankheitsprogress stieg.

Breitspektrumantibiotika stören nachhaltig das Darmmikrobiom und beeinträchtigen die gegen den Tumor gerichtete T-Zell-Antwort, so die Hypothese der Forscher. Sie empfehlen daher, die Vor- und Nachteile einer antibiotischen Therapie sorgfältig abzuwägen, wenn eine Behandlung mit Immuncheckpoint-Inhibitoren bevorsteht.

Quelle: Pinato DJ et al. JAMA Oncol 2019; online first; DOI: 10.1001/jamaoncol.2019.2785