Asthma: Bei Jugendlichen sind Besonderheiten zu beachten

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Stress in der Schule, mit den Eltern oder mit der ersten großen Liebe – da bleibt einem Teenie schon einmal die Luft weg. © fotolia/Wayhome Studio

Kommt ein eigentlich gut eingestellter junger Asthmatiker nach Luft schnappend in die Praxis, ist guter Spürsinn gefragt. Wichtig sind vor allem zwei Dinge: viel Zeit und Verständnis.

Ein Auf und Ab der Symptome ist bei jugendlichen Asthmatikern oft häufiger als ein stabiler Verlauf. Werden die Beschwerden schlimmer, suchen die jungen Patienten Rat – in erster Linie bei ihrem Hausarzt. Das Team um Professor Dr. Gary Connett, Pädiater an der Universitäts-Kinderklinik in Southampton, hält für Sie einige allgemeine Tipps parat, worauf Sie bei der Behandlung dieser (eigentlich eingestellten) Patienten achten sollten.

1. Bauen Sie eine Verbindung auf

Ist die Akutsymptomatik im Griff, nehmen Sie sich Zeit und sprechen Sie mit dem jungen Patienten. Gehen Sie auf Fragen ein. Nur so lassen sich Ursachen für plötzlich zunehmende Beschwerden herausfinden. Erst danach stehen körperliche Untersuchung und einfache Funktionstests an. Natürlich herrscht im hektischen Praxisalltag oft nicht die Ruhe, um die Punkte alle eingehend zu erörtern. Folgetermine sollten dann möglichst zu einer erfahrungsgemäß ruhigeren Zeit vereinbart werden.

2. Beurteilen Sie die Schwere der Symptome

Fragebogen, zum Beispiel der Asthma Control Test, können Ihnen bei der Bewertung helfen. Achten Sie zusätzlich auf Symptome, die auf eine „dysfunktionale Atmung“ hinweisen könnten, wie Schwierigkeiten beim Einatmen, erhöhter Puls oder Hyperventilation. Falsches Atmen kann stark zur Atemnot beitragen – die Symptome verbessern sich dann typischerweise nicht durch die verschriebenen Medikamente. Denken Sie außerdem an allergische Rhinitiden.

3. Fragen Sie nach, ob die Medikamente auch verwendet werden

Das ist insbesondere bei Jugendlichen nicht selbstverständlich. Besprechen Sie den Medikationsplan, wenn vorhanden, und prüfen Sie gleichzeitig, ob Ihr Patient den Inhalator korrekt einsetzt. Gegebenenfalls lässt sich die Adhärenz auch über die ausgestellten Rezepte überprüfen. Es wäre auch möglich, dass Eltern oder Freunde vor Kurzem angefangen haben zu rauchen oder sogar der Jugendliche selbst.

4. Finden Sie heraus, was Ihren Teenie-Asthmatiker beschäftigt

Das sind oftmals ganz erstaunliche Dinge – etwa, was die Freunde denken, wenn man in der Pause auf dem Schulhof einen Inhalator verwendet. Ein anderer befürchtet, soziale Aktivitäten zu verpassen, oder ist sich unsicher, was die Steroidnebenwirkungen angeht. Wichtig sind auch psychische Belastungsfaktoren: Gibt es Ärger mit den Eltern oder Geschwistern, stehen in der Schule Prüfungen an oder hat vielleicht die erste große Liebe vor Kurzem Schluss gemacht?

5. Beziehen Sie den Heranwachsenden mit ein

Begründen Sie Ihr weiteres Vorgehen: Das erhöht die Motivation und nimmt Ängste. Erklären Sie, was in bestimmten Situationen abläuft. Z.B., dass sich bei Angst und Stress die Atmung beschleunigt, was die Atemnot während eines Asthmaanfalls verstärkt und das Atmen noch anstrengender macht. Um aus diesem Teufelskreis hinauszutreten, ist manchmal ein „Neulernen“ der Atmung nötig, bei spezialisierten Therapeuten oder in Online-Programmen.

Geben Sie dem jungen Patienten immer das Gefühl, dass beide an einem Strang ziehen – Zwänge sind in der Regel nicht zielführend, schreiben Dr. Connett und Kollegen.

6. Überlegen Sie einfache Hilfen

Wird z.B. der Inhalator direkt neben den Schminksachen oder der Zahnbürste deponiert statt in der Schublade, gerät er nicht so leicht in Vergessenheit. Auch Notizzettel und Smartphone-Apps können an die Einnahme erinnern.

Quelle: Connett G et al. BMJ 2019; 364: I75