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Asthmatherapie: Adhärenz junger Patienten verbessern

Autor: Maria Fett

Jugendliche für ihre Therapie zu motivieren, ist alles andere als einfach. (Agenturfoto) Jugendliche für ihre Therapie zu motivieren, ist alles andere als einfach. (Agenturfoto) © iStock/pick-uppath
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Sie können manchmal wirklich nerven, sind im Grunde aber ganz liebenswert – besonders dann, wenn sie sich (leise) mit ihrem Handy beschäftigen. Und genau da sollten Ärzte ansetzen, um junge Asthmapatienten bei der Therapiestange zu halten, rät eine Kollegin.

Jugendlichen das Drumherum einer konsequenten Asthmatherapie zu erklären, erscheint zunächst bedeutend schwieriger, als das Thema mit erwachsenen Patienten zu besprechen. Denn die „Großen“ sind schließlich einsichtiger und vernünftiger als hormondurchflutete Teens, nicht wahr? So ganz stimmt das wohl nicht. Zumindest spricht die Evidenz eine andere Sprache. Die Complianceraten hinsichtlich des Gebrauchs von Asthmamedikamenten schwanken mehr oder weniger konstant um 50 % – „in allen Altersgruppen“, betonte Dr. Gert­ Schauerte­ vom CJD Berchtesgaden.

Sind Hopfen und Malz bei jungen Patienten also verloren, wenn sich ohnehin kaum jeder zweite an seinen Therapieplan hält? Definitiv nicht, sagte die Kinderpneumologin Professor Dr. Susanne­ Lau­ von der Charité – Universitätsmedizin Berlin mit Nachdruck. Nicht nur, weil Compliance mittlerweile Adhärenz heißt und so den aktiven Part des Patienten hervorhebt. Es gebe auch wirklich vielversprechende Tools, um die Therapietreue junger Patienten zu fördern. „Und das müssen wir, denn wir dürfen nicht vergessen, dass Jugendliche ein viel höheres Risiko tragen, infolge einer Exazerbation zu sterben.“

Eine chronische Krankheit gilt als voll peinlich

Während kleinere Kinder ihre Medis nehmen, wenn bzw. weil die Eltern das sagen, begehren pubertierende Jugendliche auf. Sie lassen sich stärker von ihren Peers beeinflussen, nabeln sich von zu Hause ab und wollen selbst bestimmen. Eine chronische Krankheit passt nicht ins Selbstbild, ist „voll peinlich“. In den allermeisten Fällen vergessen Teens ihre Medikamente aber einfach, waren sich Prof. Lau und Dr. Schauerte einig. Das Asthma steht nicht in ihrem Lebensmittelpunkt. Zudem schätzen jugendliche Patienten ihre Symptome häufig falsch ein und empfinden den Umgang z.B. mit einem Inhalator als umständlich oder uncool.

Es gibt aber auch objektive Faktoren, die die Adhärenz von Jugendlichen erschweren: Allergene und Noxen zu Hause oder beim Freund oder der Freundin, ein Arzt, der das Device nicht verständlich genug erklärt oder bereits kapituliert hat.

Glücklicherweise existieren einige „Angriffspunkte“, an denen Eltern und Ärzte ansetzen können, um die Therapiemotivation zu erhöhen. „Wir sollten stärker auf mobile Anwendungen setzen, da Handys das einzige sind, was Teenager praktisch immer bei sich tragen“, so Dr. Schauerte. Neben den klassischen Patientenschulungen gibt es Smartphoneapps, in denen die Inhalte solcher Schulungen präsentiert, gelernt und trainiert werden können, oder die regelmäßig an die Einnahme von Medikamenten erinnern. Daraus ergibt sich ein erheblicher Benefit. So ließ sich in einer Studie mit einer solchen App ein Anstieg der ICS-Nutzung von anfänglich 19 % auf durchschnittlich 67 % nach acht Wochen feststellen.

Natürlich können auch Eltern ihre Kinder an die Therapie erinnern, ergänzte Prof. Lau. Voraussetzung dafür sei aber ein entsprechendes Familienklima. Routinen und Tages­abläufe, gegenseitiges Verständnis, emotionale Unterstützung und ein respektvoller Umgang beeinflussen die Wahrnehmung und Einstellung jugendlicher Patienten zu ihrer Asthmaerkrankung. Daneben sollten Schule, Freunde und andere Peers ins Boot geholt werden, denn an denen orientieren sich Teenager vermutlich ohnehin mehr. Gute Erfahrungen hat z.B. Privatdozentin Dr. Katharina­ Blümchen­ von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin in Frankfurt am Main gemacht, indem sie die Patientenschulung ihrer jungen Asthmatiker einfach durch Gleichaltrige durchführen lässt (s. Kasten).

Not lost in Transition

Plötzlich sind die Asthmapatienten 18 Jahre und der Kinderarzt ist nicht mehr zuständig. Um eine gute Weiterversorgung zu gewährleisten, sollte man sich zeitig Gedanken über den „Prozess“ der Übergabe machen. Wann sollte man anfangen, Kinder bzw. Jugendliche auf die „Erwachsenenmedizin“ vorzubereiten?

In einem Positionspapier der EAACI* heißt es „zwischen 11 und 13 Jahren, je nach Entwicklungsstufe“.1 Im internationalen Kontext existieren dafür verschiedene „Readiness Tools“, wie beispielsweise das „ReadySteadyGo“, eine Art Fragebogen bzw. Check-Liste, die die Patienten selbst bearbeiten. Jahr für Jahr haken sie Skills und Wissensmeilensteine ab, die sie zum Thema Asthma erreicht haben. Auch die Nutzung von Computern und Smartphones findet sich im Positionspapier wieder, „sogar mit einer B-Empfehlung“, wie Dr. Blümchen berichtete.

Noch besser gelingt die Schulung von jugendlichen Asthmatikern, wenn sie durch Gleichaltrige durchgeführt wird (A-Empfehlung). Daran knüpft eine allgemein offene und direkte Kommunikation mit den Patienten an. In den ohne die Eltern durchgeführten Gesprächen (Stichwort Eigenverantwortung) sollten Ärzte neben den harten Fakten der Asthmatherapie vor allem auf psychologische Aspekte eingehen, die die Jugendlichen beschäftigen.

*Europäische Akademie für Allergologie und klinische Immunologie

1.Roberts G et al. Allergy 2020; DOI: 10.1111/all.14459

Asthma ist keine Hindernis fürs Sporttreiben

In einem systematischen Review zu den Herausforderungen im Umgang mit der jungen Zielgruppe wurden als weitere Adhärenzbarriere die Einschnitte in der Lebensqualität erkannt. Psychologischer Disstress, eine geringe Selbstwahrnehmung und Selbstkontrolle, aber auch die erlebten Hindernisse, die durch die Erkrankung (vermeintlich) in den Weg gelegt werden, erschweren danach den regelmäßigen ICS-Gebrauch. Asthma ist übrigens kein Hindernis, Sport zu treiben, erinnerte Prof. Lau, im Gegenteil. Körperliche Fitness kann die Krankheit positiv beeinflussen. Am besten findet man eine Disziplin, die den Jugendlichen Spaß macht und an der sie „dran bleiben“.

Quelle: 15. Deutscher Allergiekongress

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