Auf Drogen screenen bei verdächtigen Schäden im Nasen-Rachen-Raum

Autor: Michael Brendler

Die Streckmittel im Kokain schaden der Nase zusätzlich. © fotolia/nenetus

Von Suchtkranken ist nur bedingt Ehrlichkeit zu erwarten. Lassen Sie sich im Verdachtsfall also nicht von toxikologischen Untersuchungen abbringen, wie ein Fallbeispiel zeigt.

Verdacht auf Granulomatose mit Polyangiitis – das stand auf der Klinikeinweisung einer 43-jährigen Patientin. Sie litt unter oronasalem Reflux, Anosmie und Ageusie. Zusätzlich beklagte sie sich über Husten und Gewichtsverlust. Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Schwäche bestanden dagegen nicht.

Bereits präklinisch hatte die nasale Endoskopie ein fast komplett zerstörtes Septum sowie Ulzerationen und Verkrustungen im Nasopharynx offenbart. Klinisch waren außerdem eine Sattelnase, eine bilaterale Otitis media und ein Hörverlust aufgefallen. Den Konsum illegaler Substanzen – die ursprüngliche Vermutung der Ärzte – hatte die Patientin aber von Anfang an dementiert.

Urintest beendete den Diagnostikmarathon

Schädigungen der osteokartilaginären Strukturen können theoretisch mit einer ganzen Reihe von Diagnosen zusammenhängen, darunter Neo­plasmen, Lymphome, Autoimmunkrankheiten oder Infektionen, schreiben Dr. Andrea Bacciu von der HNO-Abteilung der Universitätsklinik Parma und Kollegen. Nachdem bei der Patientin klinisch eine Vaskulitis aber ausgeschlossen wurde, veranlassten die Kollegen letztlich doch einen Urintest – und in dem fanden sich diverse Kokainmetaboliten.

Koks nagt an Knochen und Knorpel

Wahrscheinlich tragen mehrere Faktoren zur kokaininduzierten Zerstörung der osteokartilaginären Strukturen von Nase, Nebenhöhlen und Gaumen bei:

  • vasokonstriktive Wirkung und mechanische Schädigungen durch das Kokain bzw. die Kristalle
  • Reizungen durch Zusätze, die als Streckmittel verwendet werden
  • Autoimmunreaktionen
  • bakterielle Superinfektionen der geschädigten Nasenschleimhaut

In fortgeschrittenen Stadien kann sich der Schaden auch auf den Vordergaumen, die Flügelgaumengrube, Unterschläfengrube, Augenhöhlen und vordere Schädelgrube ausweiten. Die Patientin aus der Kasuistik hatte zudem Erosionen an der linken eustachischen Röhre. Dies könnte eine weitere unspezifische (aber ungewöhnliche) Folgeerscheinung sein.

Für die italienischen Experten zeigt dieser Fall deutlich, wie wichtig es ist, bei Verdacht auf kokaininduzierter destruktiver Mittellinien-Läsion eine toxikologische Untersuchung von Blut oder Urin von vornherein anzusetzen. Damit lassen sich Fehldiagnosen vermeiden.

Quelle: Bacciu A et al. JAMA Otolaryngol Head Neck Surg 2018; online first