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Bariatrischer Eingriff: Gewichtsabnahme im Vorfeld verbessert Kurzzeitüberleben

Autor: Dr. Angelika Bischoff

Kritiker schlagen vor, stark adipöse Patienten zukünftig bereits zu einem früheren Zeitpunkt zu operieren. Kritiker schlagen vor, stark adipöse Patienten zukünftig bereits zu einem früheren Zeitpunkt zu operieren. © iStock/esolla
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Stark adipösen Patienten hilft oft nur noch ein bariatrischer Eingriff. Um die postoperativen Outcomes zu verbessern, sollten sie dennoch versuchen, vor der OP etwas Gewicht zu verlieren.

Wenn die konventionelle Therapie versagt, kann man einer massiven Adipositas (BMI ≥ 35 kg/m2) nur noch mit bariatrischer Chirurgie beikommen. Laut Leitlinie tritt dieser Fall ein, wenn Patienten nicht ausreichend abnehmen oder z.B. danach direkt wieder zunehmen. Eine primäre Indikation kann auch gestellt werden, wenn der Versuch bereits aussichtslos erscheint. Dennoch, Dr. Yangbo Sun von der Universität Iowa und Kollegen haben gezeigt, dass präoperativ jedes bisschen Körpergewicht weniger, dem Patienten hilft.

Die Wissenschaftler untersuchten retrospektiv eine Assoziation zwischen präoperativem Gewichtsverlust, die letzte BMI-Messung erfolgte innerhalb der letzten 30 Tage vor OP, und 30-Tage-Mortalität nach dem Eingriff. Datengrundlage bildeten 480 075 Patienten, die sich zwischen 2015 und 2017 in den USA oder Kanada einer bariatrischen OP unterzogen hatten.

Die Mortalität innerhalb von 30 Tagen nach dem Eingriff lag insgesamt bei 0,1 %. Im Vergleich zu Patienten mit einem BMI zwischen 35,0 und 39,9 stieg die Wahrscheinlichkeit zu sterben, bei einem BMI

  • zwischen 40,0 und 44,9 auf 1,37,
  • zwischen 45,0 und 49,9 auf 2,19,
  • zwischen 50,0 und 54,9 auf 2,61,
  • größer als 55 auf 5,03.

Stellte man Patienten, die vor der Operation kein Gewicht verloren (Differenz höchster Wert im Jahr vor dem Eingriff und präoperativ), jene gegenüber, die ihr Gewicht um bis zu 4,9 % vermindern konnten, wiesen diese eine um 24 % geringere 30-Tage-Mortalität auf. Wer seine Pfunde um 5–9,9 % reduzierten konnte, verringerte die Mortalität um 31 %, bei 10 % weniger auf der Waage waren es sogar 42 %.

Professor Dr. Micaela M. Esquivel und Dr. Dan Azagury von der Stanford University School of Medicine kritisieren allerdings, dass die Studie wichtige Faktoren, die hinsichtlich der postoperativen Mortalität entscheidend sind, nicht differenziere: Todesursache, perioperative Antikoagulation sowie die Methode des präoperativen Gewichtsverlusts. Außerdem sei die Art und Weise, wie die Gewichtsentwicklung erfasst wurde, zu ungenau.

Insgesamt könne man aus den Ergebnissen weniger ableiten, dass die Gewichtsabnahme präoperativ maximiert werden sollte, folgern sie. Vielmehr schlagen sie vor, stark adipöse Patienten zukünftig bereits zu einem früheren Zeitpunkt zu operieren, um dem Anstieg von Morbidität und Mortalität, der mit einer weiteren BMI-Zunahme verbunden sei, zuvorzukommen.

Quellen:
1. Sun Y et al. JAMA Netw Open 2020; 3: e204803; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2020.4803
2. Esquivel MM, Azagury D. A.a.O.: e204994; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2020.4994

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