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Obesitas Chirurgie und konservative Therapie haben beide ihren Platz

Autor: Maria Weiß

Adipositas bleibt für Betroffene trotz Medikation und auch nach OP ein lebenslanger Begleiter. Adipositas bleibt für Betroffene trotz Medikation und auch nach OP ein lebenslanger Begleiter. © MartesiaBezuidenhout – stock.adobe.com
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Kann bei einem BMI über 40 kg/m2 eine konservative Therapie mit Lebensstil­änderung noch erfolgreich sein? Oder ist ein bariatrischer Eingriff unausweichlich? Zwei Experten diskutieren. 

Ähnlich wie rheumatoide Arthritis wird auch die Adipositas als chronische Erkrankung verstanden, die eine lebenslange „Basis“- sowie eine „Schub“-Therapie benötigt. Bei einem akuten „Schub“ können die Patienten von einer drei- bis sechsmonatigen Komplex­therapie in der Tagesklinik mit einer einleitenden Formuladiät profitieren. Danach dürfen sie aber keinesfalls sich selbst überlassen werden, sondern sollten regelmäßig zu einer Spezialsprechstunde kommen. 

DMP Adipositas ist in Vorbereitung

Dort kann man leicht erkennen, wenn es wieder beginnt, aus dem Ruder zu laufen, sagte Prof. Dr. Matthias­ Laudes von der Klinik I für Innere Medizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Kiel. Zurzeit wird nach einem Beschluss des GBA das Disease-Management-Programm (DMP) für Adipositas geschrieben, mit dem endlich geeignete Versorgungsstrukturen geschaffen werden sollen.

Die zweite wichtige Säule in der Adipositastherapie sind Medikamente. GLP1-Analoga könnten zukünftig das „Methotrexat der Adipositas“ sein, so der Experte. Für Semaglutid wurde bereits nachgewiesen, dass erhebliche Gewichtsabnahmen bei Patienten mit Adipositas möglich sind. Gesetzlich Versicherte mit Diabetes haben den Vorteil, dass diese Medikamente von der Kasse bezahlt werden – liegt die Adipositas ohne Diabetes vor, kann man bei der Kasse nachfragen, oder die Patienten müssen die Kosten selbst übernehmen. Weitere vielversprechende Adipositasmedikamente befinden sich zurzeit in der klinischen Forschung.

Ist die konservative Therapie nicht dauerhaft erfolgreich, kann die intensive Intervention in der Tagesklinik wiederholt werden. Als Alternative bleibt, die Patienten für eine OP-Evaluation vorzuschlagen.

Konservative Therapie und Chirurgie sind also keineswegs ein ­„Entweder-oder“, betonte Prof. Laudes. Vielmehr ergänzen sie sich bei einem multidisziplinären Therapieansatz. Wichtig sei allerdings, dass der Patient begreift, dass er eine chronische endokrine Krankheit hat und nicht irgendwann „geheilt“ aus der Sache herauskommt.

Ganz ähnlich sieht auch Dr. Oliver Scheffel vom Sana Klinikum in Offenbach die Situation. Adipositas sei nichts, was man „wegschneiden“ könne, sondern eine Multi­systemerkrankung mit zahlreichen Folgerkrankungen. Das Problem bei einem BMI ≥ 40 kg/m2 ist, dass die Gewichtsabnahme durch konservative Maßnahmen oft nicht ausreicht. Anfängliche Erfolge können über einen Jo-Jo-Effekt durch einen gesenkten Grundumsatz wieder zunichtegemacht werden. 

Chirurgische Maßnahmen ermöglichen den Patienten meist, deutlich mehr Gewicht zu verlieren. Dadurch bessern sich auch mit Adipositas assoziierte Erkrankungen. Die OP-Entscheidung erfordert aber eine sorgfältige Evaluation zusammen mit Psychologen und Internisten. Auch Dr. Scheffel erinnerte daran, dass der Eingriff den Patienten nicht heilen kann. „Die konservative Therapie bleibt Teil des strukturierten multi­disziplinären Gesamtkonzepts. Allerdings muss man davon wegkommen, die Chirurgie als Ultima Ratio zu sehen, die erst nach Versagen der konservativen Therapie gerechtfertigt ist“, so der Referent.

Quelle: 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin

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