Bei Patienten mit COPD an latenten Eisenmangel denken

Autor: Dr. Judith Lorenz

Eisen bei COPD-Patienten nur in einer stabilen Phase der Erkrankung substituieren. © Kateryna_Kon – stock.adobe.com

Ein erheblicher Teil der COPD-Patienten leidet an einem Eisenmangel, der sich jedoch nicht zwangsläufig mit einer An­ämie manifestiert. Bei der Diagnose und Therapie gilt es, diverse erkrankungstypische Besonderheiten zu berücksichtigten.

In Folge der chronischen Entzündung der Atemwege weisen COPD-Patienten erhöhte Hepcidin-Spiegel auf, berichtet Dr. Erwin­ Grasmuk-Siegl, Krankenhaus Nord – Klinik Floridsdorf in Wien. Dieses proinflammatorische Hormon begünstigt einen Eisenmangel, indem es beispielsweise die intestinale Aufnahme hemmt und ein Sequestrieren in Makrophagen fördert. Außer im Hämoglobin kommt Eisen unter anderem im Myoglobin sowie in den Mitochondrien vor. Ein Mangel verschlechtert die oxidative Kapazität und der Muskel ermüdet schneller.

Die hepcidin­induzierte Umverteilung der Eisenreserven mündet jedoch nicht immer unmittelbar in eine Anämie: Häufig besteht ein nicht-anämischer Eisenmangel. Dieser beeinträchtigt die körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität der Betroffenen sowie die Effektivität von Rehabilitations- und Trainingsmaßnahmen. Außerdem wird dadurch die Prognose der Lungen­erkrankung ungünstig beeinflusst.

Ferritin allein sagt bei der COPD meist nur wenig aus

Die Diagnose des Eisenmangels bei der COPD – Schätzungen zufolge sind 20–50 % der Patienten betroffen – gestaltet sich schwieriger als bei Gesunden, so der Wissenschaftler weiter. Insbesondere der Indikator des Speichereisens, das Ferritin, ist als Akut-Phase-Parameter bei der chronisch entzündlichen Lungenerkrankung oft erhöht. Die Standard-Referenzwerte lassen sich damit auf COPD-Patienten nicht übertragen.

Folgendes Schema zur Diagnose des nicht-anämischen Eisenmangels hat sich jedoch in Studien an Herzpatienten sowie an Patienten mit anderen Lungenerkrankungen als effektiv erwiesen: Ferritin < 100 μg/l oder Ferritin < 300 μg/l, wenn Transferrinsättigung < 20 %.

Für die Substitutionsbehandlung empfiehlt der Wissenschaftler trotz der beeinträchtigten intestinalen Eisenresorption vor einer parenteralen Gabe einen oralen Therapieversuch. Falls die Entscheidung letztlich doch auf die parenterale Substitution fällt, bietet sich seiner Meinung nach Eisen-Carboxymaltose an.

Der Therapieerfolg kann anhand des Ferritins, des Transferrins, des Serum-Eisens sowie der Transferrinsättigung überprüft werden. Die Substitutionstherapie sollte allerdings nur in einer stabilen Erkrankungsphase erfolgen. Bei einer chronischen Keimbesiedlung der Atemwege verbietet sie sich, da Eisen das Bakterienwachstum fördert.

Quelle: Grasmuk-Siegl E. J Pneumolog 2019; 7: 16-18