Beinwunden erst durchbluten, dann behandeln

Autor: Dr. Anja Braunwarth

Erst muss geschaut werden, ob die Durchblutung passt. Erst muss geschaut werden, ob die Durchblutung passt. © London_England – stock.adobe.com

Bevor Sie sich an einer hartnäckigen peripheren Wunde abarbeiten, sollten Sie zunächst schauen, wie es um die Durchblutung bestellt ist. Denn ohne ausreichenden Fluss besteht wenig Chance auf Heilung.

Bevor Sie sich an einer hartnäckigen Wunde an den unteren Extremitäten abarbeiten, sollten Sie zunächst wissen, wie es um die Durchblutung steht. Für den Radiologen lautet daher die Aufgabe: den Blutfluss von der Aortenbifurkation bis zu den Zehen prüfen. Und falls sich schon proximal in den größeren Gefäßen Läsionen finden lassen, gilt es diese zuerst zu behandeln, betonte Professor Dr. Boris Radeleff von der Dia­gnostischen und Interven­tionellen Radiologie am Sana Klinikum Hof.

Intraarterielle Angiographie liefert genaueste Ergebnisse

Diagnostische Methode der ersten Wahl ist die farbkodierte Duplex­sonographie, die gleichsam als „Weichensteller“ fungiert. Ihre Aussagekraft variiert allerdings mit der Expertise des Untersuchers, den technischen Möglichkeiten des Geräts und den individuellen Gegebenheiten des Patienten. Als „Planer“ bezeichnete Prof. Radeleff die CT-Angiographie. Sie erlaubt eine genaue 3D-Darstellung der Anatomie und Topographie, darüber hinaus deckt sie mögliche therapie­relevante Begleiterkrankungen auf. Zu den Nachteilen des Verfahrens gehören die Strahlenexposition und die Gabe potenziell toxischer Kontrastmittel. Außerdem überschätzt man bei dünnen Gefäßen mit kalzifizierenden Einengungen leicht den Stenosegrad.

Eine strahlenfreie Alternative bietet die Magnetresonanz-Angiographie. Sie dauert allerdings länger, braucht für die Gefäßdarstellung mehr Kontrastmittel und Kalzifizierungen bereiten die gleichen Probleme wie im CT. Und natürlich kommt sie bei Schrittmachern oder metallischen Fremdkörpern in der Regel nicht infrage.

Den Goldstandard in puncto Genauigkeit und Übersichtlichkeit stellt nach wie vor die intraarterielle Angiographie dar, die auch die direkte Intervention erlaubt, jedoch durch ihre Invasivität mit mehr Komplikationen verbunden ist. Bei Kontraindikationen, z.B. Nieren­insuffizienz, kann man auf die CO2-Angiographie ausweichen, die aber oft die Unterschenkelgefäße nur unzureichend darstellt.

Endovaskuläre Reparatur hat oberste Priorität

In der Therapie der Läsionen hat heutzutage die endovaskuläre Reparatur erste Priorität, zumal neue minimalinvasive Techniken das Behandlungsspektrum erheblich erweitert haben, erklärte Privatdozent Dr. Thomas Bayer vom Radiologischen Institut am Klinikum Fürth. Je nach Befund sind damit auch individuelle Ansätze möglich. Voraussetzung sollte immer eine enge interdisziplinäre Kooperation und die klare Indikationsstellung sein.

Quelle: Wundkongress 2019