Bösartiges Ensemble: Kombi aus Anamnese und Genvarianten präzisiert das Darmkrebsrisiko

Autor: Dr. Barbara Kreutzkamp

Die Entstehung eines Kolorektalkarzinoms ist bei doppelt positiven Patienten sechsmal wahrscheinlicher. © wikimedia/Sjoehest

Bisher schätzte man die Wahrscheinlichkeit für ein Kolorektalkarzinom anhand der Familienanamnese oder des genetischen Risikoscores ab. Nun zeigt sich: Die Kombi präzisiert die Vorhersage.

Die Familienanamnese gehört zu den wichtigsten Hilfsmitteln bei der Risikoabschätzung für ein Kolorektalkarzinom. Forscher haben darüber hinaus zahlreiche krankheitsassoziierte Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP) identifiziert, die zusammengefasst in einem genetischen Risikoscore ebenfalls über das Erkrankungsrisiko Auskunft geben.

Bisher wurden beide Parameter alternativ eingesetzt. Doch bietet ihre Kombination ein nochmals deutlich erhöhtes Potenzial für die Risikostratifizierung, schreiben der Epidemiologe Korbinian­ Weigl­ vom DKFZ in Heidelberg und Kollegen. Das zeigt die Auswertung von DACHS, einer der bisher größten bevölkerungsbasierten und noch laufenden Fall-Kontroll-Studien zum Darmkrebs.

Einbezogen waren 2363 Patienten und 2198 Gesunde, von denen Daten u.a. zu Familienanamnese und dem genetischen Risiko auf der Basis von 53 SNP vorlagen. In logischen Regressionsanalysen ergab sich für erstgradige Verwandte von Betroffenen ein fast doppelt so hohes Erkrankungsrisiko wie für Menschen ohne eine solche Familienanamnese. Personen mit vielen genetischen Markern hatten im Vergleich zu denen mit den wenigsten eine dreifach erhöhte Wahrscheinlichkeit.

Familienanamnese und genetischer Risikoscore waren allerdings kaum assoziiert und die gemeinsame Auswertung erhöhte dementsprechend die Präzision der Risikovorhersage deutlich. So hatten Personen mit positiver Familienanam­nese plus genetischer Disposition in der höchs­ten Dezile ein 6,1-fach gesteigertes Risiko im Vergleich zu Personen ohne jegliche Marker. Bei solchen Hochrisikopersonen wäre es sinnvoll, mit dem Darmkrebsscreening schon vor dem 50. Lebensjahr zu beginnen, so die Autoren.

Quelle: Weigl K et al. Clin Epidemiol 2018; 10: 143-152