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Knochengesundheit Frakturgefahr auf dem Teller

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Als Goldstandard der gesunden Ernährung gilt die mediterrane Diät. Als Goldstandard der gesunden Ernährung gilt die mediterrane Diät. © master1305 – stock.adobe.com; iStock/Vadim Sazhniev
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Kalzium und Vitamin D spielen in der Prävention der Osteoporose und dadurch bedingter Frakturen eine wichtige Rolle. Doch gibt es weitere Ernährungsaspekte, die hinsichtlich der Knochengesundheit zu berücksichtigen sind.

Osteoporotische Frakturen treffen nahezu jede zweite Frau und jeden fünften Mann über 50 Jahre, schreiben Professor Dr. René Rizzoli vom Service für Bone Diseases der Universitätsklinken Genf und Kollegen. Um diesem Schicksal bestmöglich entgegenzuwirken, sollten Patienten frühzeitig durch relevante Ernährungs- und Lifestyletipps unterstützt werden. Neben dem Verweis auf einen möglichst ausgewogenen Speiseplan empfehlen die Autoren, jegliche Unterversorgung mit Mikro- und Makronährstoffen auszugleichen, um die Knochen zu stärken.

Veganer brechen sich öfter die Hüfte als Vegetarier

Ein in Diäten häufig propagierter Verzicht auf ganze Gruppen von Lebensmitteln oder Ernährungsbestandteilen hingegen sei für die Knochen schädlich. Insbesondere Veganer, die keinerlei Milch(-Produkte) zu sich nehmen, laufen aufgrund der niedrigen Kalziumzufuhr Gefahr, häufiger Frakturen ohne adäquates Trauma zu erleiden – sowohl insgesamt als auch speziell der Hüfte. Dies gelte bereits im Vergleich zu Vegetarieren und erst recht zu Fleisch­essern, betonen die Autoren.

Und das, obwohl vegane Diäten reich sind an möglicherweise knochenprotektiven Substanzen wie Magnesium, Kalium, Vitamin K, Antioxidanzien und sekundären Pflanzenstoffen. Als pflanzenbasierter Ersatz für Milchprodukte scheint am ehesten Soja geeignet, allerdings auch nur, weil hier seitens der Hersteller in der Regel Mineralstoffe zugesetzt werden. Veganer müssen stets besonderes Augenmerk auf die ausreichende Versorgung mit Eiweiß sowie den Vitaminen A, B2, B12, Jod und Zink aus anderen Quellen legen.

In westlichen Industriestaaten (und zunehmend in Schwellenländern) enthält der Speiseplan häufig große Mengen an rotem Fleisch (oft in verarbeiteter Form), Frittiertem und raffinierten Zuckern. Aus dieser als „Western Diet“ bezeichneten Ernährungsweise leitet sich eine etwas gesündere Variante ab, die „Prudent Diet“. Sie geht in Richtung Mittelmeerdiät, enthält aber noch immer Fleisch – wenn auch eher Geflügel – und setzt auf die Fettreduktion bei Milchprodukten. Zudem nehmen Obst und Gemüse eine wichtige Rolle ein.

Im Vergleich der beiden Ernährungsweisen hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Knochengesundheit kam eine große Metaanalyse zu folgenden Ergebnissen: Das Frakturrisiko war umso höher, je konsequenter die Probanden der Western Diet frönten. Im Umkehrschluss sanken die Frakturraten mit zunehmender Ausprägung einer gesünderen Prudent Diet.

Extreme Ernährungsformen, die besonders große Mengen an Kohlenhydraten oder Fetten enthalten, führen oftmals zu Stoffwechselerkrankungen, darunter Übergewicht, metabolisches Syndrom und Diabetes Typ 2. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Patienten mit Typ-2-Diabetes häufig eine normale bis hohe Knochenmineraldichte aufweisen. Doch scheint ihnen das wenig zu nutzen, denn paradoxerweise erleiden sie wesentlich häufiger Frakturen im Bereich von Hüfte, Handgelenk und Wirbel­körpern.

Diäten, die auf Gewichtsabnahme abzielen, sind bei übergewichtigen Patienten sicherlich ratsam, nicht zuletzt um die Knochen zu entlasten. Doch Vorsicht: Ein alleiniger radikaler Kalorienstopp kann jahrelang negative Auswirkungen auf die Mineraldichte der Hüftknochen nach sich ziehen. Auf gesunde Weise abspecken wird ohnehin nur, wer mehr Energie verbraucht als er aufnimmt, sprich wer die Gewichtsabnahme mit moderatem körperlichen Training unterstützt.

Die Rolle der Darmflora

Ballaststoffe, die vor allem in der Mittelmeerdiät reichlich enthalten sind, passieren den oberen Verdauungstrakt weitgehend unverdaut. Erst im Darm werden die Fasern durch das dortige Mikrobiom abgebaut, wobei u.a. kurzkettige Fettsäuren wie Essig- und Propionsäure entstehen. Durch die Senkung des pH-Wertes im Darm steigt die Bioverfügbarkeit von Kalzium.

Als Goldstandard der gesunden Ernährung gilt die mediterrane Diät

Geht es im Extremfall bei stark übergewichtigen Patienten um eine bariatrische Operation, ist mit Blick auf die Knochengesundheit der Sleeve-Gastrektomie gegenüber einem Roux-Y-Magenbypass der Vorzug zu geben: Letzterer führt offenbar mittelfristig sowohl zu einer vergleichsweise geringeren Knochendichte als auch zu erhöhtem Knochenumsatz und Frakturrisiko – unabhängig von der Lokalisation. Die Gastrektomie scheint dagegen die Zahl der Knochenbrüche sogar zu senken. Auch nach bariatrischen Eingriffen ist angemessenes Krafttraining kombiniert mit ausreichender Kalzium-, Vitamin-D- und Eiweißzufuhr Pflicht, um über den Muskelaufbau die Knochen zu stabilisieren. Als Goldstandard der gesunden Ernährung gilt mittlerweile die mediterrane Diät: Sie enthält reichlich Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, Fisch, Geflügel, Olivenöl und Milch(-Produkte), Letzere vor allem in fermentierter Form wie Joghurt oder Kefir. Von allen erwähnten Ernährungsformen wirkt sie sich am günstigsten auf die Knochengesundheit aus. Studien zufolge lässt sich das Risiko für eine Hüftfraktur durch Einhalten der mediterranen Diät um bis zu ein Fünftel senken. 

Quelle: Rizzoli R et al. Lancet Diabetes Endocrinol 2021; 9: 606-621; DOI: 10.1016/S2213-8587(21)00119-4

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