Fußballspielen als Antihypertensivum: Eignet sich Kicken für bewegungsfaule Risikopatienten?

Autor: Michael Brendler

Freizeitsport mit sozialen Interaktionen korreliert wohl mit der Lebenserwartung. © iStock/LightFieldStudios

Da kann man sich den Mund fusselig reden: Die meisten kardiovaskulären Risikokandidaten bewegen sich nicht von der Couch weg. Niedersächsische Kollegen testen nun, ob sich mit Fußball Spaß und Prävention verbinden lassen.

Bewegungsmangel und damit Übergewicht, Diabetes und kardiovaskuläre Probleme bleibt eine Volkskrankheit. Professor Dr. Joachim­ Schrader von der Medizinischen Klinik am St. Josefs-Hospital in Cloppenburg will nun herausfinden, ob die mit Abstand populärste Sportart Fußball in Sachen Prävention helfen könnte.

200 Hypertoniker nehmen dazu ein Jahr lang an fünf Standorten im Landkreis Cloppenburg an einer Studie teil. Die Hälfte davon spielt mit einem Trainer nach einigen Regeln wie Balleroberung darf nur ohne Körperkontakt stattfinden und ins Training werden Dehnpausen und Koordinationsübungen eingebaut. Auch medizinische Überwachung ist eine Selbstverständlichkeit, schließlich soll die Gesundheit keinen Schaden nehmen, im Gegenteil. Diese 3F-Studie (Fit und Fun mit Fußball) soll erstmals belegen, wofür bislang ausreichend Daten fehlen: Dass regelmäßiges Kicken langfristig den Blutdruck senken kann.

Untersucht wird als sekundäres Zielkriterium auch der Einfluss auf weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Adipositas und Diabetes. Denn laut der Copenhagen-City-Heart-Studie hat Fußball nach Tennis und Badminton von allen Sportarten den größten Effekt auf die Lebenserwartung, berichtet der Internist.

Ob und wie stark der Blutdruck dabei eine Rolle spielt, lässt sich bislang nicht sagen. Alle verfügbaren Studien dazu haben nicht genügend statistische Power, viele weisen zudem methodische Mängel auf. Aber selbst die Autoren weniger euphorischer Studien vertreten die These: Freizeitsport mit vermehrten sozialen Interaktionen korreliert am stärksten mit einer längeren Lebenserwartung.

Viele Altherren-Mannschaften sind zu eingeschworen

Die laufende Untersuchung soll zudem zeigen, ob sich ein weiteres Problem lösen lässt: Als bislang sportlich Inaktiver ist es schwer, in den Vereinen ein passendes Angebot zu finden. Die meisten Altherren-Mannschaften spielen schon seit Jahren zusammen, Rücksichtnahme auf technische Schwächen und gesundheitliche Anfälligkeiten besteht nur selten. Deshalb müsste man vor allem die Vereine für schonendere Präventions-Angebote gewinnen, glaubt der Experte. Sportlichen Wettkampf soll es trotzdem geben: In einem späteren Studienstadium treten die Mannschaften der einzelnen Standorte gegeneinander an.

Quelle: Schrader J. Dtsch Med Wochenschr 2019; 144: 1229-1232; DOI: 10.1055/a-0953-6509