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Gestationsdiabetes: Screeningtermine nach der Geburt werden zu selten wahrgenommen

Autor: Maria Weiß

Bei diesem Anblick rücken die Gedanken um die Diabetesnachsorge schon mal in den Hintergrund. Bei diesem Anblick rücken die Gedanken um die Diabetesnachsorge schon mal in den Hintergrund. © iStock/FG Trade
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Frauen tragen nach einem Gestationsdiabetes ein deutlich erhöhtes Risiko, in wenigen Jahren einen manifesten Typ-2-Diabetes und/oder kardiovaskuläre Ereignisse zu entwickeln. Mit einer gezielten Nachsorge lässt sich dem entgegenwirken – wenn die Frauen denn kommen würden.

Siebenmal höher liegt das Risiko eines manifesten Diabetes, wenn Frauen während ihrer Schwangerschaft an einem Gestationsdiabetes (GDM) litten, erklärte Dr. Heinke­ Adamczewski­, niedergelassene Dia­betologin aus Köln. Diese erschreckenden Zahlen entstammen einer Metaanalyse aus dem Jahr 2009 mit mehr als 675 000 Teilnehmerinnen. Leider kein alter Tobak, denn die Ergebnisse finden sich auch in einer neueren Untersuchung aus 2018 wieder. Hier stellten Forschende fest, dass das Risiko vor allem drei bis sechs Jahre nach der Index-Schwangerschaft hoch ist – und zwar 16,5-mal höher als bei Frauen ohne GDM.

Unabhängig von der Manifestation eines Diabetes müssen Frauen mit GDM auf ihr „Herz“ aufpassen. Wie aus der Kohorten-Beobachtungsstudie CARDIA hervorgeht, tragen sie in den nächsten Jahren ein fast doppelt so hohes Risiko, Koronarkalk zu entwickeln, als Personen ohne Gestationsdiabetes (25 % vs. 15 %). Untermauert wird dies durch die nahezu identischen Ergebnisse einer Metaanalyse mit mehr als fünf Millionen Teilnehmerinnen.

Um diesem erhöhten Risiko Rechnung zu tragen, wird in den S3-Leitlinien zum Gestationsdiabetes bei Betroffenen sechs bis zwölf Wochen nach der Geburt ein oraler Glukosebelastungstest (oGTT) mit 75 mg Glukose empfohlen. Laut Daten des GestDiab-­Registers nahmen in den Jahren zwischen 2013 und 2017 allerdings 60 % der jungen Mütter diesen Termin nicht wahr.

Von den Frauen, die erschienen waren, wies wiederum nur etwa jede zweite einen normalen Glukosestoffwechsel auf, was die Wichtigkeit dieser Untersuchung unterstreicht, betonte Dr. Adamczewski. Beim postpartalen Diabetesscreening geht es nicht allein darum, eine gestörte Glukosetoleranz oder einen Diabetes frühzeitig zu entdecken, sagte die Diabetologin. Der Termin könne auch genutzt werden, um die Weichen für individuelle langfristige Präventionsmaßnahmen zu stellen und zu Lebensstiländerungen mit mehr Bewegung und gesünderer Ernährung zu motivieren. Besonders wichtig sei es, die Frauen über mögliche Symptome eines Diabetes aufzuklären.

Erinnerungssysteme bringen bisher wenig

Doch wie lassen sich vor allem die jungen Mütter dazu motivieren, am postpartalen Screening teilzunehmen? Risikoadaptierte, vereinfachte Screenings, Durchführung oder verbindliche Terminvereinbarung noch in der Entbindungsklinik, Erinnerungen über SMS, E-Mail und Post oder Belohnungssysteme – vieles von dem, was bereits versucht wird, konnte selten mehr als 40 % der Frauen zur Nachsorge bewegen, führte die Referentin aus.

In dem vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses geförderten Projekt „Nachsorge nach Gestationsdiabetes“ soll jetzt noch einmal die aktuelle Situation spezifisch in Deutschland untersucht werden. Langfristiges Ziel ist die Entwicklung eines angemessenen, effektiven und patientenzentrierten Versorgungsmodells, das später in die Regelversorgung umgesetzt werden kann, z.B. als Vertrag nach § 140a SGB V.

Quelle: Diabetes Kongress 2021

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