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Humane Papillomaviren HPV verursachen noch zu viele Krebsfälle

Autor: Cornelia Kolbeck

Schülerinnen und Schüler vor der Pubertät. Manche werden bald ihre ersten sexuallen Erfahrungen machen. Eltern sollten spätestens jetzt eine Impfung gegen humane Papillomaviren ihrer Kinder in Erwägung ziehen. 
Schülerinnen und Schüler vor der Pubertät. Manche werden bald ihre ersten sexuallen Erfahrungen machen. Eltern sollten spätestens jetzt eine Impfung gegen humane Papillomaviren ihrer Kinder in Erwägung ziehen. © Kzenon – stock.adobe.com
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Obwohl eine Immunisierung möglich ist, gibt es immer noch jährlich 7.000 Krebsfälle mit humanen Papillomaviren als Hintergrund. Eine Impfquote von 80 % könnte das ändern. Dazu bedarf es mehr Information und Aufklärung. Auch Ärzte sind hier gefordert.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), die Deutsche Krebshilfe und die Deutsche Krebsgesellschaft haben die Nationale Krebspräventionswoche im September zum Anlass genommen, um gemeinsam auf die „erschreckend“ niedrigen Raten bei Impfungen gegen Krebs in Deutschland hinzuweisen.

Der Vorstandsvorsitzende des DKFZ, Professor Dr. Michael Baumann, betont, dass sich durch einen gesundheitsbewussten Lebensstil deutschlandweit fast 40 % aller Krebsfälle vermeiden lassen. Vielen Menschen falle es aber nicht leicht, dauerhaft gesund zu leben: „Dagegen sind Impfungen gegen Krebs eine sehr einfache Möglichkeit, das persönliche Krebsrisiko zu senken.“

Nicht einmal jedes zweite Mädchen immunisiert

Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe, bemängelt, dass weniger als 50 % der 15-jährigen Mädchen und nur ein verschwindend geringer Anteil an Jungen vollständig gegen humane Papilloma Viren (HPV) geimpft sind. „Mehrere Tausend Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland an HPV-bedingtem Krebs, der die Gebärmutter, aber auch zum Beispiel den Penis oder den Mund-Rachen-Raum betreffen kann“, so Nettekoven. Mit einer Impfquote von 80 % wäre dies vermeidbar. 

Impfung ist seit 2018 Kassenleistung

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat 2018 eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission in der Schutzimpfungsrichtlinie verankert. Demnach sind die Kosten für die Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) für alle Kinder zwischen neun und 14 Jahren von den gesetzlichen Krankenkassen zu übernehmen. Die Impfung soll HPV-bedingte Karzinome an Zervix, Vagina, Vulva bzw. des Penis sowie im Bereich von Anus und Oropharynx vermeiden helfen.

Keine Strukturen, um automatisch zu erinnern

Andere Länder machten es mit Erfolg vor. In Deutschland fehle es dagegen bislang an Strukturen und Strategien, um Kinder und Eltern automatisch an den Zeitpunkt für eine Impfung zu erinnern. Professorin Dr. Sigrun Smola erforscht mit ihrem Team am Universitätsklinikum des Saarlandes wie HPV-bedingter Krebs entsteht und wie die Krebsprävention verbessert werden kann. Sie bestätigt ebenfalls: „Am wichtigsten ist es, dass wir den Krebs verhindern, indem wir dafür Sorge tragen, dass Kinder gegen HPV geimpft werden.“ Über 200 HPV-Typen gebe es, so die Wissenschaftlerin. Zwölf davon seien von der Internationalen Krebsforschungsagentur als krebserregend eingestuft. Prof. Smola berichtet, dass sich die meisten sexuell aktiven Menschen im Laufe ihres Lebens mit HPV infizieren und die Infektion in der Regel unbemerkt verläuft. Ausgelöst werden könnten aber eben auch Zellveränderungen, die schließlich zu Krebs führten. Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, sieht als eine Ursache für die niedrigen Impfquoten zu geringe Teilnehmerraten an den Untersuchungen U10 und U11 für Kinder im Grundschulalter. Seine Lösungsidee ist, Eltern schon bei der U9 über weitere wichtige Untersuchungen zu informieren und sie zu motivieren, das Checkheft für die U10, U11 und J2 stärker zu nutzen. „Auch Krankenkassen sind aufgefordert, mehr für diese Untersuchungen zu werben.“ Kinder- und Jugendärzte sollten aber auch unabhängig von den Kinderuntersuchungen jede Gelegenheit nutzen, für die HPV-Impfung zu werben. Dr. Heike Kramer, Vorstandsvorsitzende der Ärztlichen Gesellschaft für Gesundheitsförderung (ÄGGF), bedauert, dass HPV in der Schule im Rahmen der Sexualkunde oft nicht thematisiert wird. Die Aufklärung sei aber ein weiterer Hebel, um die Impfquote zu steigern. Aus diesem Grund würden Ärztinnen und Ärzte der ÄGGF Informationsstunden für Schüler durchführen. „Unsere Evaluationen zeigen, dass das Wissen und die Impfmotivation dadurch signifikant und nachhaltig gesteigert werden können.“ 

Quelle: DKFZ-Presseinformation

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