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HPV bei Kindern Schmierinfektion, Übertragung bei der Geburt oder sexueller Missbrauch?

Autor: Dr. Andrea Wülker

Die Wahrscheinlichkeit von sexuellem Missbrauch als Ursache der Infektion mit humanen Papillomviren steigt mit dem Alter der Kinder. Die Wahrscheinlichkeit von sexuellem Missbrauch als Ursache der Infektion mit humanen Papillomviren steigt mit dem Alter der Kinder. © iStock/luismmolina
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Anogenitale Warzen gehören zu den häufigen sexuell übertragbaren Infektionen. Wenn sie bei präpubertären Kindern beobachtet werden, sollte man an einen möglichen sexuellen Missbrauch denken. Allerdings können die auslösenden humanen Papillomviren auch auf anderen Wegen übertragen werden.

Derzeit sind über 200 mukosale und kutane Typen von humanen Papillomviren bekannt. Hinter Hautwarzen, beispielsweise an den Händen, stecken in der Regel kutane HPV-Viren (z.B. HPV2, 27, 57). Man weiß zudem, dass bei Erwachsenen mukosale Viren der Typen 6 und 11 etwa 90 % der anogenitalen Warzen verursachen. Übertragen werden diese meist beim Sex. Dazu, welche HPV-Typen in anogenitalen Warzen von Kindern zu finden sind, die einen Hinweis auf sexuellen Missbrauch geben können, existierten bisher nur spärliche Daten.

In ihrer retrospektiven Studie untersuchten Dr. Stephan Braun, Klinik für Hautkrankheiten am Universitätsklinikum Münster, und Kollegen 55 Biopsien anogenitaler Warzen von Kindern im Alter von ein bis zwölf Jahren.

Mukosale HPV-Typen häufiger bei unter Fünfjährigen

In 31 Proben ließen sich mukosale HPV-Typen nachweisen (hauptsächlich HPV6), 23 der Läsionen waren durch kutane HPV-Typen (meist HPV57) ausgelöst worden. Für einige Kinder konnten zudem Hautwarzen an den Extremitäten dokumentiert werden. Mukosale HPV-Typen fanden die Wissenschaftler signifikant häufiger bei Kindern unter fünf Jahren, während in der Gruppe der Fünf- bis Zwölfjährigen deutlich öfter kutane HPV-Typen vorlagen.

Es ist möglich, dass die Warzen in der älteren Subgruppe verstärkt auf eine horizontale Übertragung (Schmierinfektion) von kutanen Warzen (z.B. an den Händen) auf den Anogenitalbereich zurückzuführen sind. Dass bei kleinen Kindern häufiger mukosale HPV-Typen gefunden wurden, könnte auf eine peri- oder postnatale Übertragung der Viren von den Müttern auf die Kinder hindeuten.

Frühere Studien weisen darauf hin, dass der Nachweis mukosaler HPV-Typen in anogenitalen Warzen bei Kindern auch mit sexuellem Missbrauch assoziiert sein kann. Die Wahrscheinlichkeit dieser Ursache der Infektion mit humanen Papillomviren steigt mit dem Alter der Kinder. In der vorliegenden Studie handelte es sich um eine retrospektive Untersuchung, die unabhängig von der Vorgeschichte durchgeführt wurde und bei der kaum Informationen über einen potenziellen bzw. keine über einen nachweislichen Missbrauch vorlagen.

Dennoch: Eine HPV-Transmission durch sexuellen Missbrauch ist in allen Altersgruppen möglich. Zudem kann die Übertragung auch nur über die Hände bzw. Finger der Täter erfolgen, kutane Viren sind daher kein Ausschlusskriterium, betonen die Autoren. Eine HPV-Typisierung kann aber neben einer sorgfältigen klinischen und psychosozialen Evaluation bei der Einschätzung der Fälle helfen, fassen sie zusammen.

Quelle: Braun SA et al. JEADV 2021; 35: 1219-1225; DOI: 10.111/jdv.17114

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