Magnetstimulation gegen die Sucht

Autor: Friederike Klein

Erfolgsaussichten hängen unter anderem von der konsumierten Droge ab. © iStock.com/serpeblu

In der Behandlung von Depressionen setzen Kollegen die transkranielle Magnetstimulation bereits erfolgreich ein. Bei der Indikation Suchterkrankungen steckt diese Therapie allerdings noch in den Kinderschuhen.

Die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) wird dazu genutzt, bestimmte Bereiche des Gehirns gezielt anzuregen oder zu hemmen, erklärte Dr. Christian­ Schütz von der University of British Columbia, Vancouver. Was jeweils passiert, hängt von der Frequenz der magnetischen Impulse und der „Dosis“ ab: Niedrige Frequenzen (≤ 1 Hz) hemmen die neuronale Aktivität, während höhere (≥ 5 Hz) sie bahnen. Kontinuierliche Thetawellen über 40 s führen zu einer Hemmung der Nervenaktivität, wogegen intermittierend induzierte Thetawellen alle zehn Sekunden zu einer Bahnung führen.

Mit der rTMS zielt man aber nicht allein auf direkte Effekte im stimulierten Gebiet ab. Man will auch Neuroplastizität induzieren, Konnektivität, synaptische Transmission intrazellulärer Signalkaskaden sowie die genetische bzw.epigenetische Regulation beeinflussen.

In diesen Fällen besser auf eine rTMS verzichten

Die einzige absolute Kontraindikation ist ferromagnetisches Material im Kopfbereich (z.B. Cochlea-Implantate). Ist es mit der MRT kompatibel, gilt dies auch für die rTMS. Zu den relativen Kontraindikationen zählen

  • Herzschrittmacher und implantierte Pumpen,
  • Alter unter 18 Jahren,
  • Hörprobleme,
  • Status nach Kopfverletzung mit Bewusstseinsverlust,
  • Epilepsie (unbehandelt oder schlecht eingestellt),
  • fokale Hirnverletzungen.

Höhere Frequenzen mindern das Verlangen nach Nikotin

Will man die repetitive transkranielle Magnetstimulation in der Suchttherapie einsetzen, gilt es frontostriatale und limbische Hirnregionen anzusteuern. Erste Studien bei Nikotinabhängigkeit zeigten bislang keinen Effekt für Frequenzen von 1 Hz. Wurden jedoch Salven von 10–20 Hz appliziert, reduzierte sich sowohl das Craving als auch der Zigarettenkonsum.

Wie Dr. Schütz berichtete, läuft derzeit eine Doppelblindstudie, die seiner Einschätzung nach in den USA zur Zulassung des Verfahrens bei Nikotinsucht führen könnte. Im Kontext der Alkoholsucht fielen die Studienergebnisse höchst unterschiedlich aus. Länger und häufiger stimulieren scheint hier noch am ehesten zu wirken, so Dr. Schütz. Zumindest konnte in zwei von insgesamt zehn Studien ein Rückgang des Cravings verzeichnet werden.

Ebenso durchwachsen sind die Erkenntnisse bislang beim Stimulanzienmissbrauch, mit Frequenzen von 10–20 Hz ließ sich das Verlangen aber offenbar mindern. Der Referent wies darauf hin, dass die Teilnehmerzahlen in den Untersuchungen gering waren. Es bleibe daher abzuwarten, ob sich die Methode etablieren könne. Zur repetitiven transkraniellen Magnetstimulation bei starken Cannabiskonsumenten liegt bis dato nur eine Negativstudie vor, während eine Stimulation mit 10 Hz positive Effekte bei Heroinabhängigen erzielen konnte.

Leichte Kopfschmerzen und Tinnitus möglich

Patienten vertragen die Magnetstimulation in der Regel gut. Etwa jeder fünfte bis zehnte berichtet von leichten Kopfschmerzen, die man aber mit niedrig dosierten Schmerzmitteln lindern kann. Weil die Teilnehmer nach einer Sitzung mitunter etwas benommen und müde sind, empfiehlt Dr. Schütz, mindestens 15 Minuten bis zur nächsten Autofahrt zu warten. Ebenso können ein transienter Tinnitus und (sehr selten) Krampfanfälle folgen.

Quelle: 19. Interdisziplinärer Kongress für Suchtmedizin