Mit Yoga, Hypnose und Akupunktur gegen das Reizdarmsyndrom?

Autor: Kathrin Strobel

Sport und andere nicht-medikamentöse Therapieoptionen beim Reizdarmsyndrom auf dem Prüfstand. © New Africa – stock.adobe.com

Um das Reizdarmsyndrom zu lindern, ist ein multi­modales Konzept erforderlich. Neben der Pharmakotherapie kommen zahlreiche nicht-medikamentöse Optionen zum Einsatz. Doch was können die erreichen?

Ein festes Standbein in der Therapie des Reizdarmsyndroms haben Ernährungsinterventionen, allen voran die Low-FODMAP*-Diät, deren Wirksamkeit durch Studien gut belegt ist.

Einzelne Kohortenstudien gibt es auch immer wieder für verschiedene Sportarten wie Walking, Aerobic oder Fahrradfahren, erklärte Privatdozentin Dr. Miriam­ Stengel­ von der Helios Klinik in Rottweil. Insgesamt zeigen diese Untersuchungen meist lang anhaltende positive Effekte auf gastrointestinale und psychische Symptome, auf die allgemeine Lebensqualität sowie das Stressempfinden der Patienten. Dabei gilt: Je mehr Bewegung, desto weniger Beschwerden. Empfohlen werden je nach Sportart etwa drei bis fünf Stunden Training pro Woche.

In den letzten Jahren geraten andere körperorientierte Verfahren immer stärker in den Fokus, allen voran Yoga. In mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass Yoga eine deutliche Linderung von Schmerzen, gastro­intestinalen Symptomen und Fatigue bewirken kann. Die Patienten geben an, erholsamer zu schlafen und sich insgesamt besser zu fühlen. Allerdings lässt die Wirksamkeit der Intervention mit der Zeit nach – bereits nach sechs Monaten haben die Übungen keinen nachweisbaren Effekt mehr, erklärte Dr. Stengel.

Bei Patienten mit schwerem und/oder therapierefraktärem Reizdarmsyndrom kann eine zwölfwöchige Hypnotherapie helfen. In einer Studie mit insgesamt 90 Patienten war die Hypnotherapie der medikamentösen Behandlung im Hinblick auf das körperliche und das geistige Wohlbefinden sowie die allgemeine Lebenszufriedenheit der Patienten klar überlegen. Der Effekt hielt über lange Zeit an, die Studienteilnehmer wurden immerhin zwölf Monate nachbeobachtet.

Die Studienlage zu Akupunktur und der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) ist bislang noch nicht überzeugend, befand Dr. Stengel. Es fehlen große, idealerweise multizentrische Langzeitstudien von guter Qualität. Eine aktuelle Metaanalyse von 21 randomisiert-kontrollierten Studien zum kombinierten Einsatz von Akupunktur und TCM zeigt aber immerhin, dass Schmerzen, Distension, Diarrhö und Schlafqualität durch die Behandlung signifikant verbessert werden können.

Allerdings waren bei der Behandlung nach TCM in den untersuchten Studien verschiedene Rezepturen zum Einsatz gekommen, weshalb hier keine ausreichende Vergleichbarkeit gewährleistet werden kann. Zudem ist unklar, inwieweit sich beispielsweise die chinesische Akupunktur mit der deutscher Akupunkteure vergleichen lässt, gab Dr. Stengel zu bedenken.

Lediglich offene Empfehlung für Akupunktur plus TCM

In der deutschen Leitlinie zum Reizdarmsyndrom finde sich daher auch lediglich eine offene Empfehlung zum Einsatz der Verfahren. Nicht-medikamentöse und alternative Behandlungsverfahren sind für viele Patienten eine wichtige Säule der Therapie. Und dagegen ist laut Dr. Stengel auch nichts einzuwenden. „Im Rahmen individueller Therapieversuche und bei Versagen schulmedizinischer Ansätze ist in der Behandlung des Reizdarmsyndroms fast alles möglich“, so das Fazit der Kollegin.

* fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie Polyole

Kongressbericht: Viszeralmedizin 2019