Nahrungsmittelallergien: Neues zu „exotischen“ Tests, Kuhställen und sublingualer Immuntherapie

Autor: Dr. Anja Braunwarth

Ein kontrollierter Konsum von Erdnüssen in den ersten Lebensjahren ist zumindest teilweise erfolgsversprechend. © iStock.com/michellegibson

Echte Nahrungsmittel­all­ergien sind für rund ein Drittel der Anaphylaxien verantwortlich. Präv­entive Ansätze gibt es viele, doch nur wenige bringen tatsächlich etwas. Wenigstens kann man das Problem bald wohl mit einer Immuntherapie angehen.

Laut Robert Koch-Institut leiden mittlerweile knapp 5 % der Bevölkerung an einer Nahrungsmittelallergie, Tendenz steigend. Dabei führen Erdnuss (Kinder) und Weizen (Erwachsene) die Liste der Top-Allergene an, berichtete Professor Dr. Stephan C. Bischoff vom Institut für Ernährungsmedizin der Universität Hohenheim.

In der Diagnostik setzt man neben der Anamnese vor allem auf Hauttests, vorzugsweise Prick-to-Prick. Ergänzend können Kollegen spezifisches Immunglobulin E messen. Provokationen gelten heute nicht mehr als obligat, erklärte der Kollege. Wer nur auf evaluierte Verfahren setzen möchte, sollte von Exoten wie Lymphozytenstimulationstests, Zytotoxizitätsuntersuchungen sowie kinesiologischen und elektrischen Tests Abstand nehmen.

IgG4-Antikörper zu bestimmen, kann bei Verdacht auf exogen allergische Alveolitis, allergische bronchopulmonale Aspergillose und ggf. entzündliche Darmerkrankungen bzw. Reizdarm Sinn ergeben. Diese Antikörper liefern laut Prof. Bischoff aber eher Hinweise auf eine Barrierestörung als auf eine Allergie.

Präventiv konnten sich nur zwei Ansätze durchsetzen: Stillen und Endotoxin-Exposition im sogenannten Farming. „Es können aber nicht alle Kleinkinder ausreichend Zeit auf Bauernhöfen verbringen“, so der Referent. Zurzeit untersuchen Forscher, ob man Stadtkindern mit Endotoxinboostern aushelfen könnte, in Form von Kapseln. In puncto Erdnüsse hat sich gezeigt, dass ein kontrollierter Konsum in den ersten fünf Lebensjahren das Risiko einer späteren Allergie teilweise senkt.

Zum therapeutischen Standard zählen Eliminationsdiät und Notfallmedikamente, allen voran Pen, Antihistaminika und Steroide. Neu hinzukommen könnte schon bald die Immuntherapie, wie sie schon länger beim Heuschnupfen etabliert ist. Vorerst bleibt die Behandlung jedoch Studien vorbehalten.

Mittels sublingualer Applikation (SLIT) konnten Kollegen bereits hohe Desensibilisierungsraten erzielen. In entsprechenden Studien blieben nur 15 % der Patienten Non-Responder oder vertrugen die Therapie nicht. Die Erdnuss-SLIT scheint zudem ein gutes Langzeitsicherheitsprofil zu bieten. Bei Hochrisikopatienten kann man die Hyposensibilisierung eventuell mit Omalizumab kombinieren.

Quelle: Ernährung 2018