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NSCLC: Lokale Therapie trotz metastasierter Situation?

Autor: Josef Gulden

Lokal behandeln hilft auch noch im späten Stadium. Lokal behandeln hilft auch noch im späten Stadium. © iStock/Sakramir
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Lokale Therapie trotz metastasierter Situation? Noch wird die OP beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs selten genutzt. Zu Unrecht, wie retrospektive Daten belegen.

Bei der Diagnose eines nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) sind bereits mehr als 50 % aller Patienten im metastasierten Stadium IV. Entsprechend den gängigen Regeln werden sie meist nur systemisch behandelt. Jedoch gibt es immer mehr Hinweise, dass eine Lokaltherapie des Primärtumors auch dann noch von Vorteil sein kann.

In einer Registerstudie analysierten die Studienautoren retrospektiv Daten von 34 887 Patienten aus der National Cancer Database. Bei ihnen war zwischen 2010 und 2015 ein NSCLC im Stadium IV diagnostiziert worden. Die Primärtherapie war:

  • eine chirurgische Resektion plus systemische Therapie (n = 835),
  • eine perkutane Bestrahlung bzw. Thermoablation plus systemische Therapie (n = 9539) oder
  • ausschließlich eine systemische Therapie (n = 24 513).

In einer multivariaten Analyse wurden statistisch zahlreiche Störfaktoren berücksichtigt, die die Therapiewahl bei den einzelnen Patienten beeinflusst haben könnten, so die Wissenschaftler. Selbst dann war die OP mit nachfolgender systemischer Behandlung den beiden übrigen Optionen bezüglich des Gesamtüberlebens (OS) signifikant überlegen (HR gegenüber Strahlen- oder Ablationstherapie 0,62; p < 0,001 und HR gegenüber alleiniger systemischer Therapie 0,59; p < 0,001). Auch nach der Strahlen-/Ablationstherapie waren das Überleben leicht besser als nach der alleinigen Systemtherapie (HR 0,95; p = 0,002).

Zusätzliche Interaktionsanalysen ergaben, dass Strahlen- oder interventionelle Therapien besonders bei Plattenepithelkarzinomen im Stadium IV mit begrenztem T- und N-Stadium und Oligometastasierung der alleinigen Systemtherapie deutlich überlegen waren. Die OS-Raten betrugen nach einem Jahr 60,4 % vs. 45,4 %, nach zwei Jahren 32,6 % vs. 19,2 % und nach drei Jahren 20,2 % vs. 10,6 %. Das entsprach einer Reduktion des Mortalitätsrisikos um fast ein Drittel (HR 0,68; p < 0,001).

Trotz einiger Limitationen zeige sich eindrücklich, dass eine lokale Therapie auch im metastasierten Stadium zu einem Benefit führen kann, so die Autoren. Folgestudien sollten Aufschluss geben, welche Kombinationen in den unterschiedlichen Subgruppen besonders sinnvoll erscheinen.

Quelle: Uhlig J et al. JAMA Netw Open 2019; 2: e199702; doi:10.1001/jamanetworkopen.2019.9702


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