Prädiabetes: Lässt sich mithilfe von Lebensstilinterventionen die Entwicklung eines Diabetes Typ 2 verhindern?

Autor: Dr. Kerstin Tillmann

Schluss mit Pizza: Lässt sich die Manifestation eines Typ-2-Diabetes diätetisch stoppen? © VadimGuzhva – stock.adobe.com

In der PREVIEW-Studie sollte geklärt werden, ob eine proteinreiche Ernährung besser geeignet ist, eine Diabetesmanifestation zu verhindern, als der standardmäßig empfohlene Nahrungsplan bei Prädiabetes. Doch scheinbar waren alle getesteten Interventionen erfolgreicher als geplant.

Lässt sich bei übergewichtigen Menschen mit Prädiabetes mithilfe von Lebensstilinterventionen verhindern, dass sie Diabetes Typ 2 entwickeln? Um diese Frage zu beantworten, wurde die internationale, multizentrische PREVIEW-Interventionsstudie ins Leben gerufen, deren Drei-Jahres-Daten Professor Dr. Ian McDonald, University of Nottingham, im Rahmen des ADA-Kongresses vorstellte.

Eine kumulative Inzidenzrate von nur 4 %

An der Studie nahmen 2223 übergewichtige Menschen teil, die erhöhte Nüchternblutzuckerwerte (100–125 mg/dL) und/oder eine eingeschränkte Glukosetoleranz aufwiesen (Blutzuckerwerte von 140–199 mg/dL, 2 Stunden nach oraler Gabe von 75 g Glukose). Die Studie setze sich aus zwei Phasen zusammen: In der ersten Phase, die zwei Monate andauerte, sollten Teilnehmer schnell mithilfe einer niedrigkalorischen Ernährung (800 kcal/Tag) an Gewicht verlieren. Hatten die Teilnehmer 8 % ihres Gewichts verloren, was 2202 von ihnen gelang, wurden sie in eine von vier Interventionsgruppen randomisiert, die sich nach Nahrungszusammensetzung und Aktivitätslevel unterschieden.

Ziel der zweiten, 34 Monate andauernden Phase war es herauszufinden, mit welcher der Interventionen Menschen mit Prädiabetes am Besten ihr Gewicht nach einer Gewichtsreduktion halten, erklärte Prof. McDonald. „Die Vermutung war, dass eine proteinreiche, niedrigglyk­ämische Ernährung der standardmäßig in der Klinik empfohlenen Ernährung überlegen sein wird.“

Jedoch entwickelten innerhalb der drei Jahre, die die Studie andauerte, insgesamt nur 62 Personen Dia­betes Typ 2 – über alle Gruppen hinweg. Das entspricht einer kumulativen Inzidenzrate von 4 %, die damit deutlich unter dem liegt, was die Wissenschaftler vorab auf Basis von vorangegangenen Dia­betes-Präventionsstudien erwartet hatten, erläuterte der Experte: Denn ohne Intervention werde generell von einer Inzidenzrate von 21 % über den Zeitraum von drei Jahren ausgegangen.

War der initiale Gewichtsverlust entscheidend?

Die Forscher hatten erwartet, dass diese Zahl unabhängig von der Art der Bewegung mit der Standard­ernährung auf 15,8 % absinkt, mit der proteinreichen, niedrigglykämischen Ernährung sogar auf 10,5 %. Es sei verlockend zu behaupten, dass der initiale Gewichtsverlust der niedrigkalorischen Ernährung zu Beginn der Studie einen entscheidenden Beitrag zu diesem Ergebnis geliefert hat, so Prof. McDonald.

Vier mögliche Lebensstile

In der PREVIEW-Studie wurden vier unterschiedliche Lebensstile miteinander verglichen, zu denen die Teilnehmer zu Beginn der Studie beraten wurden. Die Gruppen unterschieden sich jeweils nach Art der Ernährung und der Bewegung (z.B. proteinreiche Ernährung mit entweder hoher oder moderater Bewegungsintensität).

  • Ernährungsform 1: hoher Eiweißanteil (25 Energieprozent (E%)), niedriger glykämischer Index (GI, ≤ 50) und moderate Kohlenhydrataufnahme (45 E%)
  • Ernährungsform 2: moderate Proteinaufnahme (15 E%), hoher Kohlenhydratanteil (55 E%) und mittlerer GI (≥ 56)
  • Intensives Bewegungsprogramm für > 75 min/Woche
  • Moderates Bewegungsprogramm für 150 min/Woche

Die Kombination mit gründlicher Schulung und Unterstützung bei den jeweiligen Ernährungsplänen, zusätzlich zu einem Bewegungsprogramm, könnten zu einer erfolgreichen Lebensstilveränderung und einem Erhalt des Gewichtsverlusts bei den meisten Personen geführt haben, die die Studie beendet haben, vermutete der Experte.

Dies müsse jedoch überprüft werden. Er wies zudem auf die Abbruchrate in der Studie hin: Lediglich von den 962 Teilnehmer, die die Studie beendet hatten, ist bekannt, ob sie Dia­betes Typ 2 entwickelt haben oder nicht. Die Abbrüche führte Prof. McDonald unter anderem auf die langen Intervalle zurück, die zwischen den Studienvisiten lagen: In den ersten sechs Monaten der Studie gab es häufige Kontakte der Teilnehmer beispielsweise mit Ärzten, aber auch mit Ernährungs- und Bewegungsberatern. Weitere Visiten fanden dann nach 12, 18, 24 und 36 Monaten statt.

Insgesamt bedeuten die Ergebnisse aber einen Erfolg

Insgesamt wertete Prof. McDonald die niedrige Inzidenzrate in der Studie aber als Erfolg. „Mehr Arbeit ist notwendig, um die Gründe für eine so erfolgreiche Prävention von Diabetes Typ 2 zu erforschen.“

Quelle: 79th Scientific Sessions der ADA