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Prostatakrebs: Nebenwirkungen verschiedener Therapieoptionen

Autor: Dr. Daniela Erhard

Die erektile Dysfunktion betrifft die meisten Patienten mit Prostatakrebs. Die erektile Dysfunktion betrifft die meisten Patienten mit Prostatakrebs. © SciePro – stock.adobe.com
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Nach der Diagnose Prostatakarzinom muss man sich für eine Behandlung entscheiden. Mittlerweile stehen die 15-Jahres-Überlebenschancen verhältnismäßig gut, je nach Therapie hat der Patient mit anderen Einschränkungen zu rechen, was bei der Wahl berücksichtigt werden sollte.

Die Überlebenschancen für Männer mit lokal begrenztem Prostatakarzinom sind gut, auch langfristig. Bei der Lebensqualität müssen die Betroffenen allerdings Einschränkungen hinnehmen. Egal, für welche Behandlung sie sich entscheiden: Jede bringt auf Dauer einen Nebeneffekt mit sich. Das hat eine regelmäßige Befragung von anfangs über 1600 Prostatakrebspatienten und fast 800 krebsfreien Kon­trollpersonen ergeben, deren Resultate eine australische Arbeitsgruppe nun vorstellte.

Wie Dr. Carolyn­ Mazariego vom Cancer Council New South Wales in Sydney und Kollegen berichten, kam es bei den Patienten am häufigsten zu Potenzstörungen. Zwar trat eine erektile Dysfunktion mit zunehmendem Alter auch bei den Kontrollen immer öfter auf, sodass nach 15 Jahren etwa vier von zehn Männern davon betroffen waren – unter den Krebspatienten lag der Anteil jedoch zwischen 62 % unter aktiver Beobachtung und 83 % nach einer nicht nervenschonenden Prostat­ektomie. Low-Dose-Bestrahlte entwickelten erst nach fünf Jahren Probleme. Erstaunlicherweise waren die Betroffenen davon weniger belastet als erwartet. Offenbar können sie sich mit dieser Nebenwirkung halbwegs arrangieren oder sehen diese mehr als Alterserscheinung an, mutmaßen die Autoren.

Langfristig ist mit Inkontinenz zu rechnen

Ebenfalls vor allem bei Operierten und Patienten unter Androgendeprivation schon früh ein Problem: die Blasenkontrolle. Sie erreichte gemäß den Angaben der Patienten im Jahr nach der Operation die schlechtesten Werte, unabhängig davon, ob diese nervenschonend erfolgte oder nicht. Trotz zwischenzeitlicher Besserung nahm die Inkontinenz jedoch spätes­tens ab dem zehnten Jahr nach Diagnose wieder zu – wie auch bei allen anderen Therapieformen. Letztlich hatten zwischen vier und 27 % der Patienten Inkontinenzprobleme.

Verdauungsbeschwerden traten dagegen besonders bei Männern nach Bestrahlung oder Brachytherapie mit hoher Dosisleistung auf sowie unter Androgendeprivation. Letztere bewerteten zudem ihr körperliches Wohlbefinden über die gesamten 15 Jahre schlechter als alle anderen Patienten. Wie auch das psychische Befinden lag es am Ende deutlich unter dem der gesunden Männer. Hier schnitten die übrigen Behandlungsformen besser ab, obwohl in allen Gruppen nach zehn Jahren Beeinträchtigungen von Körper und Geist festzustellen waren.

Quelle: Mazariego CG et al. BMJ 2020; 371: m3503; DOI: 10.1136/bmj.m3503


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