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Aloe vera in der Krebstherapie – wirksam gegen Stomatitis und Proktitis

Autor: Dr. Dorothea Ranft

Das Blattgel gilt als unbedenklich und eignet sich sogar als Lebensmittel. Das Blattgel gilt als unbedenklich und eignet sich sogar als Lebensmittel. © iStock/MarsBars
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Aloe vera wird u.a. als Abführmittel und in Kosmetika eingesetzt. Aber die Pflanze spielt auch eine wichtige Rolle in der Onkologie. Ihr Einsatzfeld reicht von der Mundhöhle bis zum Anus.

Zur medizinischen Anwendung werden zwei Komponenten der Aloe­pflanze genutzt: Das Gel aus dem Wasserspeichergewebe und der auch Latex genannte Saft, der sich direkt unter der Haut der Blätter befindet. Letzterer eignet sich aufgrund seines Anthrachinon-Gehalts als Laxans. Von einer längerfristigen oralen Applikation wird wegen potenzieller gastrointestinaler Nebenwirkungen und Elektrolytstörungen aber abgeraten. Außerdem gibt es Hinweise auf eine genotoxische und kanzerogene Wirkung, schreiben Maike­ Rist und Professor Dr. Jost Langhorst­ vom Klinikum am Bruderwald in Bamberg. In Schwangerschaft und Stillzeit ist die Einnahme kontraindiziert.

Produkte aus dem Internet sind potenziell toxisch

Das Blattgel hingegen enthält von Natur aus keine Anthracenderivate. Es gilt als unbedenklich und eignet sich laut Bundesinstitut für Risikobewertung sogar als Lebensmittel. Der Zusatz von Anthrachinonen wie Aloin ist ausdrücklich untersagt. Allerdings werden inzwischen vor allem im Internet Nahrungsergänzungsmittel aus ungeschälten Aloeblättern angeboten, die diese toxischen Stoffe in sich bergen und von deren Einnahme deshalb dringend abgeraten wird.

Zu den wichtigsten medizinischen Einsatzfeldern aloehaltiger Cremes, Lotionen und Gelen zählt die Prophylaxe und Behandlung unerwünschter Folgen einer Chemo- oder Strahlentherapie. Der Einfluss auf die Entwicklung einer radiogenen Dermatitis wurde in fünf randomisierten Studien mit Placebo bzw. der gängigen Standardbehandlung verglichen. Die Resultate reichten von einer signifikanten Überlegenheit bis zur Induktion schwerer Hautreaktionen. Deshalb sprechen sich Experten in den Leitlinien zur Supportivtherapie bzw. Komplementärmedizin in der Onkologie gegen eine prophylaktische Anwendung bei drohender Strahlendermatitis aus.

In einer weiteren Arbeit untersuchte man den Einsatz bei der chemotherapeutisch induzierten Stomatitis. Bei 64 Patienten wurde eine aloehaltige Mundspülung (3 x täglich 5 ml) gegenüber einer Kochsalzlösung mit Chlorhexidin und Nystatin getestet. Bereits nach dreitägiger Anwendung zeigte die phytotherapeutisch behandelte Gruppe einen geringeren Schweregrad der oralen Entzündung. Auch die Schmerzen waren weniger stark ausgeprägt.

Ein als Mundspülung eingesetzter Aloe-Saft punktete bei der radio­genen Stomatitis gegenüber Placebo. Beide Prüfsubstanzen wurden von Beginn der Strahlentherapie bis acht Wochen nach dem Ende der Behandlung angewendet. In der Aloe-Gruppe entwickelten signifikant weniger Patienten eine schwere Entzündung der Mundschleimhaut (53 % vs. 87 %).

Auch die quälenden Symptome einer Strahlenproktitis lassen sich pflanzlich lindern, wie eine kleine Doppelblindstudie nahelegt. Teilnehmer waren 20 Patienten, die sich wegen pelviner Tumoren einer Radiatio unterzogen. Sie behandelten sich vier Wochen lang entweder mit einer 3%igen Aloe-Rektalsalbe oder einem entsprechenden Scheinmedikament. In seinem Einfluss auf Diarrhö, verstärkten Stuhldrang und den klinischen Gesamteindruck zeigte sich das aloehaltige Externum klar überlegen. Blutungen und abdominale bzw. rektale Schmerzen wurden nicht signifikant gelindert.

Phototoxizität von Externa mit Anthrachinon beachten

Nebenwirkungen traten in den drei Studien nicht auf. Die topische Behandlung mit Aloe-vera-Gel gilt als sicher. Bei anthrachinonhaltigen Externa muss man aufgrund der damit verbundenen Phototoxizität mit Ekzemen, Kontakt­urtikaria und Dermatitis rechnen. In Kosmetika ist der Anthrachinongehalt deshalb auf 50 ppm begrenzt.

Außerdem wird Aloe vera eine immunmodulierende Wirkung zugeschrieben. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Phytotherapeutikum das Fortschreiten maligner Erkrankungen bremsen könnte.

Quelle: Rist M, Langhorst J. Z Phytother 2020; 41: 265-269; DOI: 10.1055/a-1245-6161

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