Prostatakrebs: PSA-Screening für einen Teil der Patienten doch sinnvoll

Autor: Dr. Daniela Erhard/Kathrin Strobel

Die Wahrscheinlichkeit der Krebsdiagnose steigt mit dem PSA-Basiswert. Die Wahrscheinlichkeit der Krebsdiagnose steigt mit dem PSA-Basiswert. © Sherry Young – stock.adobe.com

Die Konzentration des prostataspezifischen Antigens (PSA) im Rahmen des Prostatakrebsscreenings zu messen, führt zu Überdiagnosen und schadet daher mehr, als es nutzt.

So lautet das Fazit im Vorbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zum PSA-Test, der im Dezember 2019 erschien und für Furore sorgte – auch bei der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU).

Sie veröffentlichte daraufhin ein Positionspapier, in dem sie den Vorteil des PSA-Screenings in Bezug auf das prostatakarzinomspezifische Überleben sowie die Reduktion des Auftretens von Metastasen und des Gebrauchs schwerwiegender Systemtherapien hervorhebt.

Ein internationales Forscherteam um Dr. Evan­ Kovac­ vom Montefiore Medical Center in New York liefert nun neue Daten zum PSA-Test – und präzisiert, in welchen Fällen die Methode ratsam ist. Demnach sollen Männer unter 60 Jahren, die PSA-Werte von 2 ng/ml oder mehr aufweisen, vergleichsweise intensiver gescreent werden. Gleichaltrige mit niedrigerem Wert können sich dagegen seltener testen lassen. Zu diesem Schluss kommen die Autoren nach der Auswertung der Daten von 10 968 Männern zwischen anfänglich 55 und 60 Jahren, die im Rahmen der großen PLCO*-Krebsstudie ein PSA-Screening erhalten hatten.

Demnach steigt die Wahrscheinlichkeit für die Diagnose Prostatakrebs mit dem PSA-Basiswert in mittlerem Alter deutlich an. So musste im 13-jährigen Studienzeitraum jeder zweite Proband mit initial 4 ng/ml oder mehr mit einer solchen Diagnose rechnen, das Risiko für ein klinisch bedeutsames Prostatakarzinom lag bei nahezu 30 %. Dagegen hatten Männer mit Werten unter 0,5 ng/ml nur ein Risiko von 0,8 % für einen (späteren) Tumor in der Vorsteherdrüse, die Gefahr für ein klinisch signifikantes Karzinom lag bei 0,4 %.

Screening-Cut-off auf 2 ng/ml festlegen

Die Entwicklung eines bedeutsamen Karzinoms ist ab 2 ng/ml bei mindestens jedem zehnten Patienten zu erwarten. Auch entfielen neun der 15 krebsbedingten Todesfälle auf Männer mit Werten in diesem Bereich. Die meisten Teilnehmer hatten jedoch niedrigere PSA-Level, sodass bei Festlegung eines Screening-Cut-off-Werts von 2 ng/ml nur etwa ein Sechstel der Patienten regelmäßig getestet werden müsste.

*Prostate, Lung, Colorectal, and Ovarian

Quelle: Kovac E et al. JAMA Netw Open 2020; 3: e1919284; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2019.19284