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Hochrisiko-Prostatakarzinom: Vor Salvage-Radiatio PSA-Wert beachten?

Autor: Josef Gulden

Die PSA-Titer vor Gabe der Salvage-Radiotherapie könnten sich möglicherweise als Biomarker eignen. Die PSA-Titer vor Gabe der Salvage-Radiotherapie könnten sich möglicherweise als Biomarker eignen. © iStock/Shidlovski
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Patienten mit Hochrisiko-Prostatakarzinom können nach radikaler OP eine Salvage-Bestrahlung erhalten und werden häufig zusätzlich mit Anti-Androgenen behandelt. Ob und unter welchen Umständen das die Prognose verbessert, wurde nun post-hoc untersucht.

Die radikale Prostatektomie ist für einige Patienten mit lokalisiertem Hochrisiko-Prostatakarzinom kurativ. Aber bei einem erheblichen Teil sind postoperativ die Titer des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) erhöht. Dann wird häufig eine Salvage-Strahlentherapie durchgeführt, mit der wiederum nur ein Teil der Patienten geheilt werden kann. In der Phase-3-Studie 9601 der Radiation Therapy Oncology Group war deshalb randomisiert die zusätzliche zweijährige Gabe von Bicalutamid oder Placebo in dieser Situation getestet worden.

Die Zwölf-Jahres-Überlebensrate konnte so von 71 auf 76 % erhöht werden. Es war aber unklar, ob die PSA-Titer zu Beginn der Radiotherapie nicht eine Vorauswahl der Patienten gestatten würden, die tatsächlich von der Hormontherapie profitieren. Deshalb wurde nun eine Post-hoc-Analyse durchgeführt.

Tatsächlich war im Stratum der 118 Patienten mit PSA-Werten > 1,5 ng/ml vor Bestrahlung eine absolute Zunahme der Überlebensraten nach zwölf Jahren um 25 % nachzuweisen (HR 0,45; 95%-KI 0,25–0,81). Bei den 642 Patienten mit Werten ≤ 1,5 ng/ml war der Unterschied mit lediglich 1 % nicht signifikant (HR 0,87; 95%-KI 0,66–1,16).

Allerdings gibt es auch in diesem Konzentrationsbereich noch Subgruppen, die profitieren könnten: Bei den 253 Patienten mit PSA-Werten < 1,5 ng/ml, aber > 0,60 ng/ml war ebenfalls eine signifikante Verlängerung des Überlebens erkennbar (HR 0,61; 95%-KI 0,39–0,94). Bei Werten ≤ 0,6 ng/ml (n = 389) war mit einer HR von 1,16 (95%-KI 0,79–1,70) kein Nutzen vorhanden.

Weiterführende Studien gefordert

Die PSA-Titer vor Gabe der Salvage-Radiotherapie könnten sich also möglicherweise als Biomarker eignen, mit dessen Hilfe sich der potenzielle Nutzen zusätzlicher Anti-Androgene abschätzen ließe. Es sei wünschenswert, so die Autoren, in weiteren prospektiv-randomisierten Studien zu spezifizieren, welche Patientengruppe genau profitiert.

Quelle: Dess RT et al. JAMA Oncol 2020; DOI: 10.1001/jamaoncol.2020.0109

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