Saunieren hilft bei chronischen Leiden wie Diabetes, Rheuma und Psoriasis

Autor: Dr. Anja Braunwarth

Das Schwitzbad kann noch viel mehr in Sachen Prävention und Therapie. © iStock/bluecinema

Saunabäder härten ab. Das hat wohl jeder schon mal gehört und da ist auch was dran. Doch das Schwitzbad kann noch viel mehr in Sachen Prävention und Therapie.

Der Begriff Abhärtung entbehrt zwar jeder medizinischen Definition, aber man weiß, was damit gemeint ist: mehr Widerstandskraft gegen Krankheiten. Tatsächlich senkt regelmäßiges Saunieren die Zahl und Schwere grippaler Infekte, berichtet Dr. Rainer Brenke, Internist aus Berlin. Und ist dabei wirkungsvoller als Sport oder konventionelle Interventionen (z.B. Einsatz von Immunglobulinen). Der Effekt beruht auf verschiedenen Einflüssen:

  • verbesserte Wärme- und Durchblutungsregulation von Haut und Schleimhäuten
  • Modulation des vegetativen Nervensystems mit Abnahme des Sympathikotonus
  • Stärkung unspezifischer Immun-/Resistenzparameter
  • stärkere Abwehr freier Radikale durch gesteigertes antioxidatives Potenzial

Was die Abwehrvorgänge angeht, weiß man, dass z.B. die lokale IgA-Produktion in der Mundschleimhaut sowie die Interferonkonzentration im Blut steigt. Außerdem werden Killerzellen und polymorphkernige Granulozyten angeregt. Aber direkt nach dem Schwitzbad können auch manche Funktionen gestört sein, etwa die der Granulozyten. Deshalb gilt, nicht mit einem Infekt in die Sauna zu gehen.

Die thermischen Reize leisten aber noch mehr. Bei Atemwegserkrankungen entkrampfen sie die Bronchial- und Atemhilfsmuskulatur. Die Bronchien erweitern sich, der Atemwegswiderstand sinkt. Damit bieten sie sich therapeutisch bei chronischer Bronchitis, Rhinitis oder Sinusitits sowie Asthma und Heuschnupfen an.

Heiße Luft kann Schmerzen bei Fibromyalgie lindern

Sie kriegen ihre Diabetiker nicht zum Sport? Dann schlagen Sie ihnen doch mal einen Saunabesuch vor. Der erhöht die Sensitivität gegenüber Insulin ähnlich stark wie körperliches Training, vermutlich über Stimulation der endothelialen NO-Synthese. Schwerwiegendere arterielle Durchblutungsstörungen (ab Stadium IIb) und ausgeprägte Polyneuropathien stellen allerdings eine Kontraindikation dar. Und Ihre Patienten sollten nicht gleich nach dem Insulinspritzen in die Kabine gehen. Durch die Hyperämie in der Wärme wird das Hormon schneller resorbiert, es kann zur Hypoglykämie kommen.

Aufguss ja oder nein?

Aufgüsse verstärken das subjektive Gefühl des Schwitzens. Es kommt zum stoßförmigen Wärmeeinstrom in den Körper, weil ein Großteil des Wasserdampfes an der kühleren Haut kondensiert. Dabei gibt er seine gespeicherte Wärmeenergie ab. Das Nasse auf der Haut ist also nur etwa zur Häfte Schweiß.

Medizinisch ergibt der Aufguss wenig Sinn und belastet den Körper eher. Er wird aber gerne in öffentlichen Saunen als „Event“ zelebriert. Kreislauflabile Personen sollten eher darauf verzichten.

Menschen mit rheumatischen und degenerativen Leiden profitieren ebenfalls vom Saunieren, außer während eines akuten entzündlichen Schubs. Die Durchblutung von Muskeln, Faszien, Bändern, Sehnen und Gelenken steigt, die Muskulatur lockert sich, Bänder und Kapseln lassen sich besser dehnen. Damit geht eine Schmerzlinderung einher. Da sich durch die geringere Belas­tung des Organismus mit freien Radikalen die Entzündungsbereitschaft reduziert, unterstützen die heißen Anwendungen auch auf diesem Wege die Therapie von Erkrankungen des Bewegungsapparates.

Eine Studie an 44 Fibromyalgiepatienten ergab, dass der dreimal wöchentliche Saunabesuch über drei Monate die Schmerzen der Betroffenen signifikant um 31–77 % senkt. In einer anderen Studie mit 36 Leidensgenossen erhöhten zwei Besuche pro Woche über sechs Wochen die Schmerzschwelle um 22 %.

Was Ödeme betrifft, rät Dr. Brenke­ bei lymphatischer Genese ab. Kardiale Wasseransammlungen dagegen bessern sich – vorausgesetzt, das Herz ist ausreichend belastbar (über 75 Watt).

Thrombosegefahr für Schwangere sinkt

Menschen mit chronischen Hautkrankheiten erleben oft Vorteile durch die Wärme, da das Immunsystem gestärkt wird (z.B. weniger Schübe bei Psoriasis). Vorteilhaft wirkt sich das Schwitzbad auch auf Schwangere aus. Die Gefahr von Thrombosen sinkt, Ödeme gehen zurück, der Blutdruck profitiert und durch gesteigerte Beckenbodendurchblutung fällt die Geburt später leichter. Bei kleinen Kindern mahnt Dr. Brenke zur Vorsicht: Sie nehmen mehr Wärme auf, kühlen aber auch schneller wieder aus. Nach oben gibt es dagegen praktisch keine Altersgrenze.

Quelle: Brenke R. internistische praxis 2018; 58: 687-708